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Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

Lüneburgs Herberge fertig gestellt

Nachricht Lüneburg, 05. Juni 2026

Der barrierefreie Neubau der HERBERGE plus. wurde am 29. Mai 2026 feierlich eingeweiht. Die neue Einrichtung richtet sich speziell an ältere und mobilitätseingeschränkte wohnungslose Menschen.
Ausschlaggebend für das Projekt war die zunehmende Zahl älterer Menschen, deren gesundheitliche Einschränkungen in bestehenden Notunterkünften oft nicht ausreichend berücksichtigt werden können. Viele Betroffene altern deutlich früher als die Durchschnittsbevölkerung. Chronische Erkrankungen, eingeschränkte Mobilität und fehlende Rückzugsmöglichkeiten verschärfen ihre Lebenssituation zusätzlich.

„Wohnungslos sind Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, bei Freunden unterschlüpfen, oder in Gemeinschaftsunterkünften nächtigen, sich Räumlichkeit teilen müssen und im Prinzip keine Privatsphäre haben. Allein in der Hansestadt Lüneburg und Umgebung sind mindestens 600 Personen betroffen“, berichtet Tanja Mainz, Vorstandsvorsitzende des Lebensraum Diakonie.
Vor diesem Hintergrund hat der Verein, der sich schon seit Jahrzehnten in der Wohnungslosenhilfe engagiert, bereits in Vor-Coronazeiten die Machbarkeit eines Neubaus geprüft und die Planungen vorangetrieben. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen erteilte der Lebensraum Diakonie Ende 2023 den Startschuss für das besondere Wohnprojekt in Lüneburg.
Zu diesem Zeitpunkt war der Ideengeber des Projekts, der langjährige Vorstandsvorsitzende Michael Elsner bereits erkrankt, wenige Wochen später verstarb er. Seine Pläne wurden aber trotzdem weiterverfolgt.

Gut zwei Jahre später, im April 2026, fand nun die Übergabe vom beauftragten Architekturbüro esfandiary möller architekten an den Bauherren Lebensraum Diakonie statt. „Entstanden ist ein modernes Wohn- und Arbeitsstättengebäude, für das solide und hochwertige Materialien eingesetzt wurden, die den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen und dessen Zuschnitt die Fläche zwischen dem NSG Kalkberg und dem denkmalgeschützten Altbau optimal ausnutzt“, erläutert der Architekt Ben Möller.
In den Monaten April und Mai 2026 wurden die so genannten "Bauherrenaufgaben“ umgesetzt.
Der Möblierung und Ausstattung von 36 Wohneinheiten und 13 Büros folgte der schnellstmögliche Einzug von Bewohnenden und Sozialarbeitern. Eine digitale Schließanlage regelt die Zutrittsberechtigungen zu den Wohnungen und den Büros. Die Bewohnenden brachten in Abhängigkeit von ihrer aktuellen Lage persönliche Gegenstände, teils aber auch nur ein paar Taschen mit Kleidung für den Neustart mit. Die neuen Wohnungen sind mit eigenen Küchen und Bädern ausgestattet und für die Einzelbelegung vorgesehen. Für Menschen, die sich zuvor Küchen und Waschräume oder gar das Zimmer teilen mussten, bietet die neue Wohnsituation mehr Privatsphäre und Sicherheit. Durch das unterstützende Wohnumfeld können die Bewohnenden zur Ruhe kommen und gemeinsam mit den vor Ort tätigen Sozialarbeitern die Klärung ihrer Probleme angehen.

Der Neubau entstand innerhalb einer Bauzeit von rund 2 Jahren auf dem grundstückseigenen Gelände, auf dem der Lebensraum Diakonie (vormals Herbergsverein e.V.) schon seit Jahrzehnten die HERBERGEplus betreibt. Ein Vorgängergebäude, das sich rückwärtig hinter dem Altbau, der ehemaligen „Kettenstrafanstalt“ befand, musste im 1. Quartal 2024 zunächst abge-
tragen werden, um Platz für den Neubau zu schaffen. Für die Bewohnenden des Vorgängergebäudes wurde in 2023 eine ehemalige Gaststätte an den Sülzwiesen umgebaut, 12 Wohneinheiten sind dort entstanden, die zum Jahreswechsel 2023/2024 bezogen wurden.

Zeitgemäße Ausstattung und Begegnungsmöglichkeiten
Neben vollständig barrierefreien Wohnbereichen verfügt der Neubau über 6 rollstuhlgerechte Wohneinheiten, die mit unterfahrbaren Tischen und Küchenarbeitsplatten, Seniorenbetten und höhenverstellbaren Pflegebetten sowie mit Kleiderschränken mit ausfahrbarer Kleiderstange ausgestattet sind. Die Position der Lichtschalter und die Herdbedienung wurden auf Rollstuhlfahrer abgestimmt. Erreichbar ist das Haus über zwei rollstuhlgerechte Eingänge. Das dreistöckige Haus verfügt über zwei Fahrstühle.
Zwar ist die HERBERGEplus keine Pflegeeinrichtung, aber für Menschen, die zeitweise Assistenz benötigen, wurde ein Pflegebad gebaut, in dem auch medizinische Sprechstunden stattfinden werden.
Für gemeinsame Aktivitäten und Begegnungsmöglichkeiten der Bewohnenden wurde ein Gemeinschaftsraum an der Südseite des Gebäudes errichtet, der eine große Fensterfront Richtung Naturschutzgebiet Kalkberg aufweist und „so den Blick ins Grüne ermöglicht und daher bei Mitarbeitenden und Bewohnenden den Namen „Wintergarten“ bekommen hat“, so Manuela Grimm, Projektkoordinatorin beim Lebensraum. Ausgestattet ist er mit einer Küche, in der angeleitete gemeinschaftliche Kochaktionen möglich sind. Klapp- und stapelbares Mobiliar machen den Raum zu einem Mehrzweckraum.
Dem Wintergarten vorgelagert ist eine Terrasse, die den Bewohnenden zum einen den Aufenthalt im Freien ermöglicht, zum anderen ein Ort der Begegnung ist, um Einsamkeit entgegen zu wirken und Teilhabe zu ermöglichen. "Mit einer besseren Wohnqualität wollen wir das Wohlbefinden und das Leben der Betroffenen deutlich verbessern“, so Thorben Peters, Leiter der
HERBERGEplus. Aufwertung kann dazu beitragen, dass man sich respektiert, geschützt und wertgeschätzt fühlt, was sich wiederum positiv auf die psychische Gesundheit auswirken kann.
Aufwertung steigert das eigene Selbstwertgefühl und damit auch die Ansprüche an das eigene Leben. Die neue Zuversicht die daraus erwächst, kann dabei helfen endlich Arbeit zu finden und wieder neu an unserer Gesellschaft teilzuhaben".

Finanzierung
„Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf ca. 9 Mio Euro. Finanziert wurde der Baudurch Eigenmittel, Darlehen und rund 100.000 Euro private Spenden sowie Fördermittel in Höhe von 1,8 Mio Euro durch die Stiftung Hospital zum Großen Heiligen Geist, dem Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V., der Klosterkammer Hannover, der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, der Stiftung Wohnhilfe e.V. und der Reimund C. Reich Stiftung“, so Rainer Hofmann, kaufmännischer Vorstand im Lebensraum Diakonie.

Die Präsidentin der Klosterkammer Hannover, Frau Dr. Thela Wernstedt freut sich, mit den Erträgen der Klosterkammer, die sich u.a. aus Erbbaurechten speisen, ein so wichtiges Projekt wie den Neubau unterstützen zu können.
Die Fördergelder und die privaten Spenden stellen wichtige Säulen im Finanzierungsmix dar, dennoch fehlt ein Betrag von rund 300.000 Euro um auch die Umbaukosten für die Ersatzunterkunft an den Sülzwiesen berücksichtigen zu können.
Kosten hingegen konnten eingespart werden, weil bei der Ausstattung der Wohnungen und Büros auch gut erhaltene gebrauchte Möbel zum Einsatz kamen. Insbesondere freute sich der Lebensraum über eine Kooperation mit der Hilfsorganisation „Der Hafen Hilft! e.V., der Sachspenden in großen Stückzahlen an wohltätige Organisationen in ganz Norddeutschland weiterleitet.
Die Stiftungsratsvorsitzende Christel John betonte stellvertretend für die Stiftung Hospital Zum Großen Heiligen Geist, wie unterstützenswert dieses Projekt in Zeiten von immer knapper und teurer werdenden Wohnraum sei: "Das Projekt ist ein wichtiger Schritt, um der gesellschaftlichen Spaltung entgegen zu wirken.
„Es ist unser Ziel, diesen Menschen wieder Hoffnung zu schenken. Mit dem Bau von 36 neuen Wohneinheiten möchten wir einen sicheren Hafen für diejenigen schaffen, die lange Zeit auf der Straße oder in prekären Wohnverhältnissen leben mussten, ohne die Möglichkeit, ihr Leben neu zu ordnen“, so Superintendent und Aufsichtsratsvorsitzender des Lebensraum Diakonie Christian Cordes.

Weitere Informationen, Impressionen vom Festtag und vieles mehr finden Sie unter:

https://www.lebensraum-diakonie.de/nachrichten/einweihungsfest-des-neubaus.html