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Wie soll die Zukunft der Kirche aussehen? Über den Welle-Prozess und neue Formate

Nachricht Lüneburg, 24. Juni 2025

Drei Fragen zum „Welle-Prozess“ mit Dr. Dorothea Noordveld-Lorenz, Pastorin in St. Johannis Lüneburg, und Oberlandeskirchenrätin Dr. Nicola Wendebourg, Hannover. Sie begleiten seit 2017 den sogenannten Welle-Prozess der Landeskirche, der der Weiterentwicklung kirchlicher Berufe dient. Im Fokus stehen die „Verkündigungsberufe“: Pfarrdienst, Kirchenmusik, Diakoninnen und Diakone, Kirchenkreissozialarbeit.

Frau Noordveld, Frau Wendebourg, zwei Tage haben Sie konferiert, wie ist es gelaufen und wer war dabei?

Dorothea Noordveld: 120 Personen aus allen Verkündigungsberufen – Pastor*innen, Diakon*innen, Kirchenmusiker*innen und Kirchenkreissozialarbeiter*innen – haben sich getroffen und intensiv über die Themen gesprochen, die sie aktuell in ihren Berufen beschäftigen.

Nicola Wendebourg: Auch einige Studierende und Menschen aus Vikariat und Anerkennungsjahr waren dabei. Sie haben den Austausch sehr bereichert. Die Stimmung war super. Der Mix aus inhaltlicher Arbeit, Party, Musik und geistlichem Impuls hat geholfen, einander über Generationen und Berufsgruppen hinweg näherzukommen und mehr gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Es war ein lebendiger, mutmachender und sehr wertschätzender Austausch miteinander. Ein Highlight waren die Exkursionen in den Stadtteil, die den Blick für die Lebensrealitäten außerhalb der Kirchenbubble geschärft haben.

Noordveld: Insgesamt war es ein lebendiger, mutmachender und sehr wertschätzender Austausch miteinander.

Gibt es zentrale Erkenntnisse oder Ideen, an denen konkret weitergearbeitet wird? Passen Sie zum Schwerpunktthema der Landeskirche: „Anfänge im Glauben“?

Noordveld: Es wurden über 20 Ideen und Themen eingebracht und diskutiert und wir werden in den kommenden Monaten die Ergebnisse mit allen Interessierten auswerten und entscheiden, welche Themen wie weitergearbeitet werden. Deutlich ist schon, dass ein zentrales Thema der immer stärker werdende Rechtspopulismus sein wird. Die Frage, wie wir damit in unserer Arbeit umgehen wollen, welches Handwerkszeug und welche Expertise von anderen wir dafür benötigen, wird uns weiter beschäftigen. „Nach innen“ wird es weiter um die Schärfung unserer jeweiligen Kernkompetenzen im Miteinander gehen.

Wendebourg: Die Akteure im Welle-Prozess haben von Beginn an Wert darauf gelegt, kirchliche Arbeit bewusst als „Kirche mittendrin“ zu verstehen und auszubauen. Aus der Überzeugung heraus, dass in einer leistungsbezogenen und durchkommerzialisierten Gesellschaft die Ressourcen von Gottvertrauen und Nächstenliebe einen Unterschied machen, arbeiten sie an ihrer Vernetzungskompetenz. Wenn die Menschen Erfahrungen mit dem uneigennützigen Einsatz von Kirchenmenschen für das Gemeinwesen machen, können daraus durchaus „Anfänge im Glauben“ erwachsen. 

Wie geht es nun insgesamt im Welle-Prozess weiter?

Noordveld: Der Welle-Prozess lebt von der Beteiligung der verschiedenen Berufsgruppen und dem Miteinander in unterschiedlichen Formaten. Nach der großen Welle-Tagung wird es nun darum gehen, miteinander die Themen, Ideen und Fragen zu sichten, auszuwerten und dann in unterschiedlichen Arbeitsgruppen daran weiterzuarbeiten. Ziel ist es am Ende immer, ein Thema so konkret zu bearbeiten und umzusetzen, dass es in der alltäglichen Arbeit vor Ort spürbar wird. 

Wendebourg: Neben den neuen Themen gibt es bestimmte „Dauerbrenner“, an denen wir seit 2017 kontinuierlich weiterarbeiten. So wird demnächst zum Thema „Verkündigung“ ein Preis ausgelobt. Als Mittel zur Priorisierung und Entschlackung der Arbeit in Zeiten der Arbeitsverdichtung sind aus dem Welle-Prozess verschiedene Angebote entstanden, die derzeit breit angeboten und viel nachgefragt werden. Ein weiterer Dauerbrenner ist das Angebot des von der Welle angestoßenen Teamcoachings, das mehr Lust und mehr Professionalität in die berufgruppenübergreifende Zusammenarbeit bringen soll. Von dem Teamansatz lebt zum Beispiel die „hannoversche Variante“ des Segens- und Kasualnetzwerks. Eine Kirchenkreissozialarbeiterin etwa kann ganz andere Segenssituationen vor Augen stellen als ein Pastor. Eine unerwartete Freude war übrigens die Rückmeldung von jungen Diakon*innen in Studium und Anerkennungsjahr: Nach dieser „coolen“ Veranstaltung erscheint ihnen die Kirche als Arbeitgeber verlockend – zuvor hätten sie ihren Ort eher in der kommunalen sozialen Arbeit gesehen.

(Quelle: Newsletter Landeskirche Hannovers)

Weitere Informationen unter:

https://www.landeskirche-hannovers.de/presse/nachrichten/2025/06/20-welle-prozess-geht-weiter