St. Nicolai kann die Kirchentür wieder öffnen

Nachricht Lüneburg, 22. Juli 2025
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St. Nicolai Lüneburg

Erstes Sicherungsnetz ist installiert
Der Blick in die St.-Nicolai-Kirche ist ab 28. Juli wieder möglich. In der Turmhalle wurde ein Sicherungsnetz installiert, das vor eventuell herabfallenden Steinchen schützt. Von der Turmhalle aus können Besucher dann ins Mittelschiff der gotischen Backsteinbasilika schauen, das von einem 29 Meter hohen Sternengewölbe gekrönt wird.

„Wir sind so glücklich, dass wir die Tür wieder öffnen können“, sagt Gemeindepastorin Almuth Wiesenfeldt. „So viele Menschen standen in den vergangenen Monaten vor dem verschlossenen Portal. Jetzt können Sie zumindest einen Blick ins Innere unserer wunderschönen Kirche werfen.“

Der Kirchenraum selbst darf erst betreten, wenn auch dort Netze gespannt sind. Das wird aber noch bis 2026 dauern. Denn die Netze müssen eigens angefertigt und denkmalschutzgerecht angebracht werden.

Öffnungszeiten
Die Turmhalle ist von montags bis sonnabends geöffnet. Von 11-17 Uhr sind ehrenamtliche Kirchenwächterinnen und -wächter vor Ort. Stadtführungen können in St. Nicolai Station machen und auch Turmführungen sind wieder möglich.

Drohnenaufnahmen helfen bei Erfassung der Risse
Die Kirche war Anfang Februar aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Die Befliegung mit einer Kameradrohne hatte ergeben: Etliche Risse im Gewölbe sind gravierender als bis dahin bekannt. „Die Statik ist zwar nicht beeinträchtigt, doch Steinchen oder Putzteile in der Decke könnten sich lösen und Menschen im Kirchenraum verletzen“, erklärt Pastorin Almuth Wiesenfeldt. „Deshalb mussten wir Nicolai schweren Herzens schließen.“

Parallel zur Notsicherung durch Netze laufen die Untersuchungen weiter, was die Risse verursacht. Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorliegen. Anschließend kann die Sanierung des Gewölbes geplant werden, die voraussichtlich mehrere Millionen Euro kosten wird. Dafür ruft die Kirchengemeinde schon jetzt zu Unterstützung auf.
HIer direkt online spenden:

st-nicolai.wir-e.de/unterstuetzen-und-spenden

Rückblick

Anfang Juni berichteten Experten und Gemeinde beim Infonachmittag über St. Nicolai: 
Wegen Rissen im Gewölbe ist die St. Nicolai Kirche in Lüneburg derzeit geschlossen. 
Bei einem Nachmittag mit Bau-Experten informierte die Kirchengemeinde im Glockenhaus ausführlich über den aktuellen Stand und was dieser für das Gemeindeleben bedeutet. 

Kirsten Ahrens-Imhorst, Vorsitzende des Kirchenvorstandes St. Nicolai, leitete ein: "Danke für Ihr Interesse an unserer gastfreundlichen Kirche, unser Gotteshaus möchte offen sein. In den letzten drei Monaten haben wir erfahren wir sehr die offenen Türen vermisst wurden." Und sie ermutigt: "Wir schaffen das, mit Gottvertrauen."
"Die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle", machen Gemeindepastoren Almuth und Christoph Wiesenfeldt immer wieder deutlich.

Christian Stasch, Leitender Superintendent des Kirchenkreises Lüneburg, moderierte den Nachmittag. Das Publikum und er stellten Fragen an Steve Werner, CAP Ingenieursbüro, öffentlich bestellter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, an Stefan Kunkel, Leiter des landeskirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege (ABK) in Celle und Architektin Beatrice Großmann, ebenfalls vom ABK. 

Hier finden Sie von der Kirchengemeinde und Bauexperten die wichtigsten Antworten zum derzeitigen Stand:

Wie wurde der Schaden festgestellt und was ist zu sehen?
➡️ 2022 drohte ein Stein rauszurutschen, er wurde gesichert. Es gibt seitdem immer wieder Putzmörtelflächen, die unten liegen, Krümel an verschiedenen Stellen, Risse sind sichtbar. 
➡️ Mit einem Rissmonitoring über mehr als einem Jahr beobachtet man, ob die Risse aufgehen und sich wieder schließen. Mit einer Drohne wurde festgestellt, dass sie groß sind und an bestimmten Stellen Putzteile abzufallen drohen. 

Was sind die nächste Schritte? 
➡️Es sind temporäre Sicherungsmaßnahmen mit Netzen geplant, so dass die Kirche nach und nach wieder nutzbar wird. Der Auftrag für die Netze in der Turmhalle ist bereits erteilt. Voraussichtlich nach den Sommerferien werden die Turmhalle sowie der Turm selbst wieder begehbar sein. Es können dann auch wieder Turmführungen stattfinden. Auch im südlichen und nördlichen Seitenschiff und im Mittelschiff sind Netze geplant. Im Mittelschiff müssten Seilkletterer die Netze in ca. 16 Meter Höhe befestigen.
➡️ Das Rissmonitoring wird weitergeführt
➡️Erste Planungsüberlegungen zur Sanierung laufen bereits

Was sind mögliche Ursachen für die Risse? 
➡️1. These: In den 90er Jahren wurden im Gewölbe ein Stahlfachwerk eingebaut, das zur Lastumverteilung geführt haben könnte.
➡️2. These: Auch wurden unterschiedliche Materialien verwendet in der Kirche, z.B. in den 20ern Zement, früher aber Gips. Die Materialien vertragen sich nicht gut. 
➡️3. These: Der Baugrund und der sinkende Grundwasserspiegel könnten Einflüsse haben. 

Welche Kosten entstehen und wie kann die Sanierung finanziert werden?  
➡️ Die erste Notsicherung hat die Gemeinde und den Kirchenkreis bereits 70.000 Euro gekostet. Bei der Landeskirche ist Unterstützung angefragt für die Sicherungsmaßnahmen und das Monitoring. Spenden werden dringend benötigt für die anschließende Sanierung.
➡️ Die Höhe der Gesamtkosten ist noch ungewiss, es gibt keine Erfahrungswerte für Gebäude in dieser Größe. Stellt man Gerüste auf und repariert ein Gewölbe nach dem anderen – wenn das eine langfristige Lösung ist – ergäbe das hochgerechnet 3 bis 4 Millionen Euro. Sollte der Baugrundstück verbessert werden müssen, durch Bodenvergütung oder Nachgründung, kann das weitere Kosten verursachen 

Wie geht es mit dem Gemeindeleben weiter? 
➡️Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch mit Stadtrat und Verwaltung hat das Glockenhaus zur Verfügung gestellt für größere Veranstaltungen, d.h. dort wird z.B. auch Weihnachten gefeiert.
„So sehr wir unsere Kirche auch vermissen, sind wir zuversichtlich und froh, dass wir in der Zwischenzeit auch an anderen Orte Kirche sein können“, machte Pastorin Almuth Wiesenfeldt deutlich.

Unterstützung ist willkommen
"Es ist sicher: eine große Baumaßnahme kommt auf uns zu! Wer St. Nicolai in diesen unsicheren Zeiten erhalten und unterstützen möchte, kann gern eine Spende einzahlen", wirbt die Pastorin für die Stadtkirche.
Schon jetzt helfen -
Spenden für St. Nicolai direkt online hier

Herzlichen Dank!

Hintergrund:
Erste Schäden in der gotischen Backsteinbasilika waren im Sommer 2022 aufgetreten. Ein Teil des Chorumgangs wurde daraufhin gesperrt. Zugleich begann eine Kartierung der Schäden, um die spätere Sanierung zu planen. Dafür stieg im Januar 2025 extra eine Kameradrohne in der Kirche auf, deren Mittelschiff knapp 29 Meter hoch ist. Die Nahaufnahmen aus dem Gewölbe zeigten: Die Risse sind gravierender als vermutet. Kleine Bruchstücke könnten sich lösen und im schlimmsten Fall Menschen treffen, die sich im Kirchenraum aufhalten, so die Befürchtung. Zur Sicherheit wurde die Kirche deshalb sofort gesperrt.

In der Kirche können derzeit keine Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden.
Die Gemeindearbeit und die Angebote der Fachstelle Inklusion gehen weiter.