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Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

Gedenken an 80 Jahre Kriegsende und Einbürgerung von Pastor Dr. Diederik Noordveld

Nachricht Lüneburg, 15. Mai 2025

Mit einem Festakt im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses hat die Hansestadt Lüneburg gemeinsam mit der Projektgruppe Timeloberg an die Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht vor 80 Jahren erinnert. Die Veranstaltung stand unter dem Zeichen des Gedenkens, der Verantwortung und der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft.

Zwei Minuten Stille
Dr. Diederik Noordveld, Pastor an St. Johannis und gebürtiger Niederländer, hielt die zentrale Gedenkrede und erinnerte an die nationale Bedeutung des 4. Mai in den Niederlanden: „Jahr für Jahr hält ein ganzes Land an. Die gesamten Niederlande schweigen. Für zwei Minuten. Die Läden schließen früher. Ab 19:45 läuten die Kirchenglocken. Flugzeuge dürfen in der Zeit weder landen noch starten. Züge halten auf offener Strecke an. Busse, Straßenbahnen und Fähren stoppen. Fernsehkanäle und Radiosender kommen zum Schweigen.“ Noordveld betonte: „Kriege hören nicht auf, wenn die Gewehre schweigen. Sie hinterlassen tiefe Spuren. In Einzelpersonen. In Familien. Und sie haben eine Auswirkung auf die Leben, die aus diesen Leben entstehen. Auf dich und auf mich.“

Er verband das Gedenken mit dem Blick nach vorn: „Für mich ist der 4. Mai so ein kleines Lagerfeuer. Ein Tag, an dem wir uns besinnen. Gedenken. Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Heute für morgen. […] Lernen aus der Vergangenheit, die Freiheit schützen, sie leben. Kräftige nächste Schritte für die Zukunft. Ich hoffe und bete, dass jede und jeder von uns in diesen Tagen etwas von diesem Feuer weitergibt.“

Zwischen Niederlage und Neubeginn – Stimmen der Zeitzeugen
Im Rahmen des Festakts erinnerte Prof. Dr. Heike Düselder, Leiterin des Lüneburger Museums, an die Wahrnehmung des Kriegsendes durch die Lüneburger Bevölkerung. Sie berichtete, dass 50 Jahre nach der Kapitulation Lüneburger Zeitzeugen, die 1945 13 bis 20 Jahre alt waren, gefragt worden waren, woran sie sich erinnern: „War der Einmarsch der Briten Niederlage oder Befreiung? Für viele war der Krieg vorbei, als am 18. April 1945 die Engländer in Lüneburg einmarschierten. Weder der 4. noch der 8. Mai haben sich in ihrem Gedächtnis eingeprägt. Und an Befreiung hat kaum jemand gedacht. Es war eine Niederlage, der Krieg war verloren. Und doch herrschte endlich Frieden.“

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch hob hervor: „Die aktuelle Weltlage macht uns bewusst, wie zerbrechlich Demokratie und Frieden sind. (...) Möge es unsere gemeinsame Aufgabe sein, dass Lüneburg eine offene, vielfältige, demokratische Stadt bleibt – mit Mut, mit Haltung und mit der Kraft der Erinnerung.“

Frieden ist kein Selbstläufer
Marianne Gorka, Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg, zu dem unter anderen der Kirchenkreis Lüneburg gehört, betonte die bleibende Verantwortung: „Mit der Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht begann für Millionen Menschen in Europa die Hoffnung auf Frieden, Versöhnung und einen Neuanfang. Doch dieser Frieden ist kein Selbstläufer. Die Erinnerung an das Ende des Krieges verpflichtet uns, wachsam zu bleiben, wo Menschenwürde und Demokratie bedroht werden. Heute erleben wir mit Sorge, wie rechtsextreme Kräfte an Einfluss gewinnen und die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde – weil sie ganze Bevölkerungsgruppen ausgrenzen und unsere freiheitliche Ordnung in Frage stellen.“

Sie wies auf die Verantwortung der Christinnen und Christen hin, sich klar gegen Hass und Ausgrenzung zu stellen und für eine Gesellschaft einzutreten, in der Vielfalt, Respekt und Nächstenliebe gelebt werden: „Die Botschaft des Evangeliums und die Lehren aus unserer Geschichte mahnen uns: Nie wieder darf Gleichgültigkeit den Boden bereiten für Unrecht und Gewalt.“

Einbürgerung als Bekenntnis
Die Gedenkfeier war zudem Anlass für Pastor Noordvelds Einbürgerung nach 21 Jahren Wirken in Deutschland. Er begründete diesen Schritt mit Zuneigung und Verantwortung für seine neue Heimat. Regionalbischöfin Gorka würdigte dies: „Die Entscheidung von Diederik Noordveld, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, ist ein Zeichen tiefer Verbundenheit und gelebter Verantwortung und sicher weit mehr als ein formaler Akt. Wer sich einbürgert, bekennt sich zur Gemeinschaft und ihren Grundwerten und gestaltet das Miteinander aktiv mit – so, wie es uns der Glaube an Jesus Christus aufträgt. Das ist ein starkes Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens in eine gemeinsame Zukunft.“

Der Festakt wurde musikalisch von Werken von Paul Hindemith, Joseph Horovitz und Paul Reade begleitet. Im Anschluss an die Reden trugen sich Bella Stuart-Smith und Lord Montgomery ins Goldene Buch der Hansestadt ein.

Hintergrund: Die Teilkapitulation auf dem Timeloberg
Am 4. Mai 1945 wurde auf dem Timeloberg bei Lüneburg Geschichte geschrieben: In einem Armeezelt unterzeichnete eine Delegation der deutschen Wehrmacht unter Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden gegenüber Feldmarschall Bernard Montgomery. Diese Teilkapitulation trat am 5. Mai 1945 um 8 Uhr in Kraft und beendete die Kampfhandlungen in diesen Regionen.

Für Millionen Menschen bedeutete dieser Schritt das unmittelbare Ende von Krieg, Gewalt und Besatzung. Besonders in den Niederlanden und Dänemark wird der 5. Mai bis heute als Tag der Befreiung gefeiert. Die Kapitulation auf dem Timeloberg war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gesamtkapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 und damit zum offiziellen Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Der Timeloberg steht heute als Symbol für das Ende von Unrecht und Gewalt – und für den Beginn von Frieden, Freiheit und Versöhnung in Europa.

Quelle: Sprengel Lüneburg / Anne-Katrin Schwanitz

https://www.sprengel-lueneburg.de