Bekenntnis zu Grundwerten der Demokratie – Sorge um politische Kultur:
Anlässlich des Tages des Grundgesetzes am Samstag, 23. Mai ruft Marianne Gorka, Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers dazu auf, sich aktiv für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen. Gorka unterstützt damit die gemeinsame Initiative der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen sowie den Aufruf von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, den Geburtstag des Grundgesetzes bewusst als Tag demokratischer Verantwortung zu begehen.
„Unsere Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, sich für das Gemeinwohl einsetzen und widersprechen, wenn andere herabgewürdigt werden“, sagt Marianne Gorka. „Insbesondere in Zeiten, in denen populistische Parolen, Verachtung und Ausgrenzung lauter werden, braucht es Menschen, die für die Würde aller eintreten.“
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Grundgesetz Kapitel 1).
„Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ (Genesis 1,27).
Zwei Sätze – einer aus unserer Verfassung, einer aus der Bibel. Beide sind kurz, klar und radikal. Und beide sagen im Kern dasselbe: Jeder Mensch hat einen Wert, der nicht verliehen wird, nicht verdient werden muss und nicht aberkannt werden darf. Er ist da, weil Gott ihn gewollt hat – und weil unser Staat ihn schützt.
Die Väter des Grundgesetzes haben diese Sätze der Verfassung vorangestellt, nachdem die Menschenwürde in den Jahren des Nationalsozialismus mit Füßen getreten wurde. Nicht nur die Vernichtung der Juden, auch die Ermordung vieler Patientinnen und Patienten der psychiatrischen Klinik in Lüneburg, der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, auch der Diakonie, waren dadurch möglich. Das hatte eine Vorgeschichte: Man bezeichnete Menschen als „asozial, schwachsinnig, minderwertig“, als "Last für die Gesellschaft.“
Darum ist es heute wichtig, diese Grundorientierung zu festigen und allen heutigen Versuchen, Menschen durch Worte abzuwerten oder sie auszugrenzen, entgegenzutreten.
Artikel 1 des Grundgesetzes ist nicht nur ein juristischer Satz. Er ist ein moralischer Kompass. Und der biblische Satz ist nicht nur ein theologischer Gedanke. Er ist die Grundlage für unser Handeln. Zusammen bilden sie ein starkes Fundament: Wir arbeiten für eine Sache, durch die Menschen geschützt, geachtet und gestärkt werden sollen.
Das gesellschaftliche und politische Klima in unserem Land wird rauer. Veränderungen treffen vor allem benachteiligte Bevölkerungsgruppen, hilfe- und schutzbedürftige Menschen. Sie brauchen Aufmerksamkeit und Fürsorge. Darum finde ich wichtig, Grundwerte wie die Menschenwürde immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen und auch das Handeln Jesu an den Menschen in Erinnerung zu rufen. Er sah sie an. Er fragte, was sie wollten. Er liebte sie mit der großen Vaterliebe, die er vom Himmel mitgebracht hat.
Gedanken von Superintendent Christian Cordes zum Tag des Grundgesetzes