Eine offene Kirche - queersensible Seelsorge

Nachricht Lüneburg, 18. März 2026

Bei der Kirchenkreiskonferenz zum Thema gender- und queersensible Seelsorge war diese Woche Pastor Theodor Adam zu Gast. Er ist in der evangelischen Landeskirche Hannovers zuständig für queersensible Seelsorge und Beratung und hat mit der Runde aus dem Kirchenkreis Lüneburg über Fakten, Fragen und kirchenpolitische Wege gesprochen. "Ich erlebe Kirche in Bezug auf Queerness als lernende Organisation", so Theodor Adams.

Einfach Mensch sein
Gerade wurde das Heft „Ich möchte einfach Mensch sein“ herausgegeben: Eine neue Arbeitshilfe der Landeskirche für eine gendersensible und queerfreundliche christliche Praxis. "Die Arbeitshilfe war ein großer wichtiger Schritt, aber jetzt ist auch die Frage: Wie kriegen wir die in die Fläche und in die Praxis? Wer gehört welcher theologischen Strömung an? Wie verhandeln wir vielleicht, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind? Das ist gerade ein spannender Prozess und wir sind mittendrin", so Adam.
In seinem Job kommt er mit vielen Menschen ins Gespräch: "Ganz berührend wird es immer, wenn sich Personen melden und konkrete Anliegen haben. Das kann z. B. die Mutter sein, die damit ringt, wie umgehen mit dem schwulen Sohn, obwohl sie vielleicht mal im Konfi-Unterricht gelernt hat: 'Das geht doch nicht zusammen'. Das kann aber natürlich auch eine kritische Person sein, die sagt: ‚Mensch, seitdem ihr das macht, hadere ich damit, ob das noch meine Kirche sein kann‘. Und all das aufzufangen, aufzunehmen und in den sinnvollen, guten, hilfreichen Dialog zu bringen, der am Ende dazu führt, dass wir gemeinsam an Gottes Reich bauen, das ist das A und O der queersensiblen Seelsorge."

Engagierte Gespräche und Workshops
In Workshops haben sich an dem Vormittag im Bleckeder Gemeindehaus die Diakoninnen und Diakone, Pastorinnen und Pastoren u. a. ausgetauscht über prägende Bilder, die eigene Haltung und Bibelstellen. Konkrete Fragen aus der Seelsorge wurden besprochen.

Vielfältige Kirche
Seit 2024 gibt es mit Pastorin Almuth Wiesenfeldt aus St. Nicolai und Diakon Frank Jonas aus der Evangelischen Jugend zwei Beauftragte im Kirchenkreis Lüneburg für das Thema Queer und Kirche. „Bei unserer Kirchenkreiskonferenz heute ist es wunderbar, dass wir Hauptamtlichen uns alle damit beschäftigen“, findet Frank Jonas.
Neue, farbenfroh gestaltete Pins und Aufkleber machen aufmerksam. „Das ist ein Zeichen dafür, dass Kirche für Euch offen ist, für uns alle offen ist und dass dieses Thema uns wichtig und präsent ist. Alle sind herzlich willkommen, Kirche ist so bunt und vielfältig – schön, wenn Du auch dabei bist“, sagt Frank Jonas.
Pastorin Almuth Wiesenfeldt erlebt queere Menschen überall in ihrem Umfeld und macht die Erfahrung, dass „manche ganz offen damit umgehen. Manche halten das auch erstmal ein bisschen zurück, vielleicht weil sie es selber gar nicht so zum Thema machen wollen, manchmal aber auch, weil sie vielleicht ein bisschen unsicher sind, wie Menschen in Kirche reagieren. Das hat es immer wieder gegeben, dass Menschen auch schlechte Erfahrungen gemacht haben. Von daher verstehe ich meine Arbeit so, dass wir zeigen: Wir sind eine offene Gemeinde und ein offene Kirche, die Menschen einlädt, bei uns und mit uns zu sein. Und dass wir ihnen einen Raum geben wollen, in dem sie sich sicher fühlen.
Sie findet es wichtig, dass die Vielfalt, die es in der Gesellschaft gibt, auch in den Gemeinden erfahrbar ist und „dass wir so voneinander lernen können und miteinander unterwegs sind.“