Jedes Kirchenmitglied soll mindestens einmal im Jahr Post von der Gemeinde bekommen: einen Glückwunsch zum Geburtstag, einen Willkommensbrief nach dem Umzug oder Grüße zu anderen Anlässen.
Drei Fragen zur Kirchenpost...
an Lilian Gutowski. Sie leitet das Projekt Kirchenpost unserer Landeskirche und hat kürzlich in Hannover einen Fachtag zum Thema Mitgliederkommunikation organisiert.
Frau Gutowski, worum geht es bei der Kirchenpost?
Lilian Gutowski: Kurz gesagt ist unser Ziel, dass jedes Kirchenmitglied einmal pro Jahr Post bekommt. Nicht nur per Brief, sondern unbedingt auch digital. Wir wollen die Beziehung zu den Mitgliedern stärken.
Warum ist ein solches Vorhaben so wichtig, dass dafür in Zeiten knapper Kassen Mittel bewilligt wurden?
Lilian Gutowski: Wir wissen, dass der Kontakt zur Kirche ab einem Alter von 14 Jahren, also nach der Konfirmation, oft abbricht. Man verliert mehr und mehr den Kontakt zu Jugendlichen. Auch Singles sind bislang kaum auf dem Plan. Wie erreichen wir diese Menschen? Die Idee der Kirchenpost ist es, den Blick zu weiten und auch die zu erreichen, die vielleicht niemals in einen Gottesdienst gehen würden. Viele von ihnen verstehen Kirche nämlich dennoch unbedingt als Gemeinschaft, als diakonische etwa. Es geht dabei um viele Grundaussagen des christlichen Glaubens: Du bist willkommen, wir sind eine Gemeinschaft, wir sehen Dich, Du siehst uns.
In der Pilotphase haben neun Kirchenkreise mitgemacht. Wie ist der aktuelle Stand des Projekts? Und was sind die nächsten Schritte?
Lilian Gutowski: Die Pilotphase ist vorbei, die Kirchenpost jetzt voll ausgerollt. Die Synode hat sie genau so beschlossen, wie die Gemeinden es sich gewünscht hatten: Sie benennen Kontaktpersonen, wir bereiten Design und Texte vor und verschicken alles. Die Post kommt dann von den Gemeinden. Insgesamt haben nur 26 von knapp 1.200 Gemeinden entschieden, nicht mitzumachen – extrem wenige also, was sehr schön ist.
In den nächsten fünf Jahren sollen viele Mailings entstehen - zu einem persönlichen Anlass, zu etwas, das die Adressaten gerade im Leben beschäftigt. Das fängt an mit Karten für Kinder zur Erinnerung an ihre Taufe, später gibt es Geburtstagsgrüße für 14- bis 16-Jährige. Da geht es dann um die großen Fragen des Lebens: Wohin führt mich mein Weg? Hat Gott einen Plan für mich? Wir freuen uns sehr, junge Menschen dabei mit der Kirchenpost zu begleiten. Und es wird auch weitergehen mit anderen Zielgruppen. Die Rückmeldung ist eigentlich fast überall gleich: Kirchenpost ist überfällig und der richtige Weg.
Das Interview führte Alexander Nortrup, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers