Welt trifft Gott digital: "Alte Sorten"
Ausstellung: Die Kinder der Operation Shamrock, Lüneburg
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Konfirmandenzeit, Fotos: epd, Kevin Schmid, Jens Schulze
Konfirmationszeit im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg
Jahreslosung 2021

Deutsch-Irische Freundschaft und Menschlichkeit zeigt die Ausstellung "Die Kinder der Operation Shamrock"

Nachricht Lüneburg, 14. September 2021

„Operation Shamrock“ war die Bezeichnung einer Aktion, die nach dem II. Weltkrieg über 450 unterernährte und oftmals traumatisierte Kinder aus dem zerstörten Deutschland nach Irland geschickt hat. Sie haben ihre prägenden Jahre in dem bitter armen, aber umso gastfreundlicheren Land verbracht. Der Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg lädt zu einer Ausstellung ein, die den Erinnerungen dieser Kinder gewidmet ist und die vom 9. September bis 31. Oktober im Kloster Lüne gezeigt wird.

Viel mehr als Gastfreundschaft
Agnes Thevis ist 85 Jahre alt. Sie erinnert sich noch gut an den Sommer 1946 – vor allem erinnert sie sich an den Hunger, den sie in dieser Zeit ständig verspürt. „Es war nie genug zu essen da“, sagt Thevis. Deswegen zögerte sie damals auch keinen Augenblick, als das Angebot kam, nach Irland zu gehen, gerade mal 10 Jahre alt, ohne Eltern, zu einer wildfremden Familie. „Der Gedanken, Essen zu bekommen überwog alles andere“, erinnert sich die 85jährige.
Iren hatten gehört, dass Kinder in dem kriegszerstörten Deutschland hungern mussten und handelten. 1946 luden sie mehr als 450 kränkelnde, unterernährte und oftmals traumatisierte Kinder nach Irland ein, nahmen Sie in ihren Familien auf und umsorgten sie wie ihre eigenen Kinder. Wie die meisten Kinder kehrte Agnes Thevis 1949 in ihre Heimat Deutschland zurück. „Ich wäre gerne geblieben“ sagt Thevis. „Mir hat es in Irland so gut gefallen.“ Doch die Mutter hatte große Sehnsucht nach ihrem Kind.
„Diese Jahre haben mich tief geprägt“ sagt die 85jährige. „Ich habe so viel Gutes erfahren, das möchte ich weitergeben.“ Und das tut sie. Als vor wenigen Jahren in ihrer Nachbarschaft Flüchtlinge untergebracht wurden, knüpfte sie Kontakte, half bei Behördengängen und spielte vor allen Dingen mit den Kindern. „Ich weiß ja, wie es ist, wenn man fremd ist und sich nicht auskennt“.
In der Ausstellung „Die Kinder der Operation Shamrock“ wird die Geschichte von Agnes Thevis und weiteren Kindern gezeigt. Die meisten kamen nach wenigen Jahre nach Deutschland zurück. Einige wurden von ihren irischen Gastfamilien adoptiert und blieben für immer in Irland.

Identität - Heimat - Barmherzigkeit
Die Geschichten der Kinder geben einen Einblick in diese besondere Geste von Mitgefühl. Waren die Iren doch bereit, trotz ihrer bitteren Armut, Kinder des „Täterlandes“ aufzunehmen. Schließlich waren die Gräueltaten der Deutschen im 2. Weltkrieg nach Kriegsende auch in Irland bekannt geworden.
Die Erinnerungen der Protagonisten bieten viel Diskussionsstoff: Was macht Identität aus? Was gab den Kindern innere Stabilität? Worunter litten sie? War Deutschland nach einem dreijährigen Aufenthalt in Irland noch Heimat? Wie war der Wiederanfang in Deutschland, auch mit der eigenen Familie? Wie wurden die Lebenswege der "Shamrock Kinder" und die ihrer Gastgeber durch die Aktion geprägt? Was bewegte die Gastgeber in einem der ärmsten Länder Europas zu ihrer Einladung? Auch die Gesichter der „Shamrock Kinder“ zeigen die Spuren eines bewegten Lebens und sind darum essentieller Teil der Ausstellung.

Die deutsch-amerikanische Journalistin Monica Brandis kuratierte die Ausstellung, der mexikanische Fotograf Sidarta Corral porträtierte die Protagonisten.

Die Ausstellung wurde mittlerweile in Dublin, Berlin, München, Köln, Würzburg, Siegen, Warendorf und Bonn gezeigt und erfreut sich regen Interesses der Öffentlichkeit und der Medien.

Bericht der Ausstellungseröffnung:

Ein Fest der Deutsch-Irischen Freundschaft und der Menschlichkeit
„Ich habe das nicht gewusst“ – dieser Satz, zog sich durch die Grußworte der feierlichen Eröffnung, und auch im Publikum war er überall zu hören. Denn bisher hat wirklich fast niemand von der „Operation Shamrock“ gewusst, einer Aktion, die nach dem 2. Weltkrieg hungernde Kinder nach Irland brachte.
„In Deutschland war ein grausamer Krieg zu Ende gegangen, den Deutschland vom  Zaun gebrochen hatte“ sagte Organisatorin Katrin Schwier bei der feierlichen Eröffnung am vergangenen Donnerstag im Kloster Lüne in Lüneburg. Aber für viele Iren sei nur eine Tatsache wichtig gewesen: Dass in Deutschland Kinder hungern, so Schwier weiter. Die Iren seien selbst arm gewesen, dennoch hätten sie die Kinder aufgenommen und sie umsorgt, wie ihre eigenen Kinder. Diesen Teil der Geschichte bekannt zu machen, das sei Motivation gewesen, die Ausstellung nach Lüneburg zu holen.
Zur Ausstellungseröffnung war auch eigens Patrick Jacques, Erster Botschaftssekretär der Irischen Botschaft aus Berlin angereist. Er sprach in seinem Grußwort davon, dass sich viele Iren im Hinblick auf hungernde Deutsche Kinder in einer historischen Verantwortung sahen. Schließlich habe das irische Volk in seiner Geschichte selbst extremen Hunger und Armut erlebt. Deswegen hätten sie helfende Hände gereicht.
Ehrengäste der feierlichen Eröffnung waren zwei Kinder der Operation Shamrock. Die 85jährige Agnes Thevis erzählte, dass der Hunger im Nachkriegsdeutschland so groß gewesen sei, dass sie nicht gezögert hatte, als 10jährige ohne Eltern nach Irland zu fahren. Dort hätte sie die schönsten Jahre ihrer Kindheit verbracht. „Denn ich fühlte mich angenommen“, sagte die 85jähirge. „Die Gasteltern haben keinen Unterschied gemacht zwischen ihren leiblichen Kindern und mir“, erinnert sich Thevis.
Auch Herbert Remmel hat nur gute Erinnerungen an seine Zeit in Irland. „Bis heute habe ich Kontakt zu den Kindern und Enkeln meiner Gasteltern“. Thevis und Remmel wären gerne in Irland geblieben – doch nach drei Jahrenden endete das Programm und der Großteil der Kinder kam wieder zurück nach Deutschland.
Für einen Gänsehautmoment sorgte der Auftritt der Salty Shores, eine Folkband aus Lüneburg. Mit „1946 – ein Kleeblatt macht glücklich und satt“ hatte Bandleader Frank Ebeling den Kindern der Operation Shamrock einen eigenen Song gewidmet. In dem Text schlägt Ebeling einen Bogen, von den deutschen Kindern, denen nach dem 2. Weltkrieg in Irland geholfen wurde zu Flüchtlingen, die heute Hilfe und Schutz in Deutschland suchen.
 
(Texte: Katrin Schwier)

 

 

Ausstellungsdaten:
9. September bis 31. Oktober 2021
Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten.
Am Sonntag, 26. September um 10 Uhr wird es in der Klosterkirche Lüne einen Gottesdienst zu diesem Thema geben, gehalten von Henry Schwier, Diakon der Kirchengemeinde Lüne.

Koster Lüne
Am Domänenhof
21337 Lüneburg
Di. - Sa. 10:30 - 12:30 Uhr und 14:30 - 17:30
So. 11:30 - 13 Uhr und 14:30 - 17:30 Uhr
Ab 15. Oktober eingeschränkte Öffnungszeiten.
Wegen Corona können sich die Öffnungszeiten kurzfristig ändern.
Infos dazu unter:

www.kloster-luene.de