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Radiogottesdienst im Kirchenkreis Lüneburg, Fotos: Will Francis
Flagge zeigen: Jegliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Identität hat in unserer Kirche und bei Gott keinen Platz! Ev. Jugend und Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

Kirchenmann mit Weite - Trauer um Martin Voigt

Nachricht Lüneburg, 30. Oktober 2021

„Hier kann man aufatmen!“ So stellte mir Martin Voigt vor vielen Jahren die St. Johannis-Kirche vor. Er kannte und liebte diese Kirche. Hier predigte er leidenschaftlich gern. Hier bildete er Kirchenführerinnen aus. Hier begleitete er die Kirchenmusik mit vielfältigen theologischen Beiträgen. Hier zündete er im Ruhestand jeden Sonntag nach dem Gottesdienst gemeinsam mit seiner Frau Helga eine Kerze an. Der weite Raum von St. Johannis war für Martin Voigt ein Symbol für die Weite Gottes, in dessen Dienst er sich gerne und mit weitem Herzen sein Leben lang wusste.

Geboren als Sohn eines Pastors in Bethel wuchs er in Celle auf. Er studierte Theologie in Tübingen, Oxford, Edinburgh, Heidelberg und Göttingen. 1962 wurde er Pastor in Hannover-Döhren, danach Studiendirektor am Predigerseminar Rotenburg. Von dort kam er 1973 nach Lüneburg und wurde Superintendent des damaligen Kirchenkreises.
Mit großem Interesse und fördernder Haltung visitierte er die Gemeinden und leitete die Kirchenkreisgremien. Den Pastoren und Mitarbeitenden sowie ihren Familien wandte er sich sehr persönlich zu. Sein theologisches Herz schlug für den Gottesdienst, aber auch für die Diakonie. In der tätigen Nächstenliebe sah er den Gottesdienst im Alltag. Diakonische Einrichtungen wie die Drobs und das spätere Ma Donna baute er maßgeblich mit auf. Für Menschen mit Behinderungen setzte er sich in der Stiftung Kühnausche Gründung ein.
Und dann war da noch seine große Leidenschaft für die Ökumene. In dem katholischen Dechant Jürgen Schwarzenburg fand Martin Voigt ein theologisches Pendant und einen Freund. Es entstand das ökumenische Zentrum St. Stephanus, der „Tag der Kirche“ rund um den Reformationstag und Allerheilgen und viele andere konfessionsverbindende Aktivitäten. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, dieses Bibelwort hat Martin Voigt immer wieder inspiriert, auch außerhalb der Kirchenmauern zu wirken.

In Erinnerung bleiben seine Vorträge in Institutionen Lüneburgs, seine Mitwirkung in städtischen Gremien und seine Publikationen zu gesellschaftlichen Themen. 1987 wechselte er nach Pullach als Leiter des dortigen Theologischen Studienseminars. Im Ruhestand kehrte er nach Lüneburg zurück. Sein letztes Buch widmete er 2012 wieder „seiner“ St. Johannis-Kirche, die er einen „Erzählschatz“ nannte. Nun ist er, 93-jährig,  friedlich gestorben. Möge er im weiten Raum der Ewigkeit Gottes ruhen.  
Christine Schmid, Leitende Superintendentin
Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg