Fotos: Tina Hueske; St. Johannis Lüneburg
Fotos: Carolin George, Tina Hueske
Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg. Fotos: Hueske
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Churches for Future
Fotos: Kirchenkreis Lüneburg, Cordes, Lehmann

Vitamin C - christlich in Zeiten von Corona

Nachricht Lüneburg, 02. Juni 2020

Vitamin C

In der Lüneburger Landeszeitung schrieben Kirchenleute über Gutes und Mut-Machendes in der Corona-Krise unter dem Titel Vitamin C – für christlich in Zeiten von Corona. Zu Pfingsten lief diese Reihe aus. Einen Rückblick gibt die Leitende Superintendentin Christine Schmid im Gespräch mit der Landeszeitung.

28. Mai: VERBINDUNG DES HERZENS
„Segnen Sie gar nicht mehr am Schluss des Gottesdienstes?", fragte mich ein wenig vorwurfsvoll eine ältere Dame, „Muss das nicht sein - ich dachte immer, das ist das Wichtigste?“ Ich schaute sie verdutzt an: „Doch, ich hab den Segen gesprochen - wie immer gleich nach dem Schlussgebet!“. Jemand neben uns bestätigte dies. Eine gewisse Entspannung durchzog mich. Da stutzte sie irritiert über sich selbst; muss sie doch so in Gedanken gewesen sein, dass sie den Segen nicht bemerkt hatte. Ich tröstete sie; „Der Segen wirkt trotzdem, auch wenn man grad mal woanders ist - und überhaupt; man kann auch zweimal segnen!“ Kurzerhand sprach ich ihr den Segen noch einmal persönlich zu! Da lachte sie, freute sich und ging fröhlich davon. Das Wichtigste hatte sie. Segen ist eine Herzensverbindung vom Höchsten. Segen wirkt trotz abgelenkter Gedanken und über Distanzen hinweg. Segen ist ein stilles feines, nicht unbedingt sichtbares, aber ganz und gares Umarmen Gottes, sein Umhüllen mit Ewigkeit. Und man kann davon weitergeben selbst durch virologische Abstände hindurch. Schicken Sie Ihren Segen unter die Leute mit dem Leuchten Ihrer Augen, mit liebevollen Gedanken, durch behütende Hände und begleitende Gebete, mit wohlwollender Ruhe und durch tröstende Worte. Auch das breitet sich unsichtbar aus, nur braucht man keinerlei Schutz davor. Seien Sie gesegnet und segnen Sie!
Pastor Bernhard Borowski, ev.-luth. Kirchengemeinden Neetze und Thomasburg

27. Mai: BEGEISTERT?
Begeistert vom Leben mit diesen Einschränkungen und Auflagen ist in diesen Wochen wohl niemand so richtig. Auch wenn gelockert, wir würden es uns alle gerne anders wünschen. Wir befinden uns im Kirchenjahr gerade zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Begeistert waren die Jünger Jesu auch nicht, als ihr Herr auf einmal von einer Wolke aufgenommen wurde und vor ihren Augen verschwand. Hatte er ihnen doch eben noch zugesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ An dieser Zusage hielten sie fest und erlebten wenige Tage später, wie ihnen der Heilige Geist zu Pfingsten geschenkt wurde und sie beGEISTert wurden. Dadurch änderte sich plötzlich alles für sie! Nicht die Umstände wurden anders, sondern ihr Mut, ihre Freude, ihre Freiheit, ihr Bewusstsein der Verbindung mit Jesus. Unabhängig von Einschränkungen und Lockerungen rund um die Corona-Krise dürfen wir an den Zusagen Gottes festhalten und ihre Realität erleben – mich begeistert das!
Pastor Joschi Stahlberg, Freie evangelische Gemeinde Lüneburg
 

26. Mai: STUNDEN IM STRANDKORB
Der sandige Geschmack auf den Lippen, die brennende Sonnencreme in den Augen und das Kreischen der Möwen im Ohr… - so meine Kindheitserinnerungen an Strandkorb-Stunden. Inmitten der hitzigen Diskussion, welche Urlaubsfreuden eventuell schon wieder, vielleicht aber auch gerade noch nicht möglich sein könnten, werden vielerorts jetzt Tatsachen geschaffen. Die Strandkorb-Manufakturen berichten von nicht für möglich gehaltenen Rekordumsätzen. Auch auf der Terrasse meiner Eltern steht seit Neustem ein Exemplar. Am vergangenen Wochenende habe ich es getestet - mitten in der norddeutschen Tiefebene, mehr als einhundert Kilometer von jeglichem Meeresrauschen entfernt... „Ein eigentümlich bergendes Sitzhäuschen“, beschreibt Thomas Mann seinen Eindruck, den ich gerne teile. Wer im Strandkorb sitzt, sieht nur noch einen Ausschnitt von der Welt. Wie große Scheuklappen beschränken die Seitenwände den Blick, konzentrieren ihn von der Weite auf das Wesentliche. „(….) Gott aber gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50,20). Sein Herz ist mit den Träumenden. Drei Sommer lang soll Thomas Mann in einem Strandkorb an seinem Werk „Joseph und seine Brüder“ geschrieben haben. Wer weiß schon so genau, welche Projekte von morgen aus unseren Auszeiten von heute entstehen?
Hergen Ohrdes, Diakon in der Region Lüneburg Nord 

25. Mai: DAS LÄCHELN IN DEN AUGEN
Moin – Moment, war das nicht der Martin?! Ich merke, ich sehe momentan gar nicht mehr so genau hin. Ist ja alles Maske. Eigentlich schade. Auch wenn man der Maske schlecht zuhören kann und vom Gesicht so wenig sieht: Wenn ich einfach so angelächelt werde, sehe ich das in den Augen meines Gegenübers. Und das tut so gut! Der Abstand ist auf einmal wie weg. In dieser trostlos vermummten Gesichtslosigkeit tut Dein Lächeln so gut!
Pastor Matthias Forchheim, St. Thomasgemeinde der SELK

22. Mai: VITAMIN C IN HOHER DOSIS
C wie Cappuccino auf der Terrasse, im Garten, auf dem Balkon, in einem Café oder wo auch immer aber auf jeden Fall in der Sonne (die gibt es immer gratis) genießen; vielleicht mit C wie Colorado, jedenfalls für die, die Süßes mögen (und dürfen) – eine bunte Mischung Leckereien oder lieber in die Stadt gehen und durch C wie Currywurst (Herbert G. lässt grüßen) satt werden? C wie Carpe Diem – ist schon ein bisschen überstrapaziert als Slogan, stimmt aber ja trotzdem - : nutze den Tag, lebe im Heute. C wie Chaos, jedenfalls ein bisschen, vor allem für die, bei denen alles immer so wohlgeordnet und strukturiert zugehen muss. Wir erleben es gerade: Leben ist nur sehr eingeschränkt planbar. C wie Chanson. Zeit, mal wieder in aller Ruhe gute Lieder mit anspruchsvollen Texten anzuhören. C wie Charakter, der sich zeigt in den Herausforderungen und den zu zeigen sich lohnen kann – am besten mit C wie Charme. C wie Chaussee – das etwas aus der Mode gekommene Wort für Landstraße erinnert daran, so viel wie möglich rauszugehen, die Natur auf sich wirken zu lassen, Luft und Licht zu tanken. C wie Choral, auch wenn Singen derzeit als gefährlich gilt - niemand verbietet oder kann verhindern, im Keller oder im Wald laut zu singen. Singen weitet Herz und Seele, z.B. die bewährten Glaubens- und Zuversichtslieder von Paul Gerhardt, die singen von C wie Christus und seiner Zusage „ich bin bei euch alle Tage“; und darum mit C wie Courage beherzt und mutig in diesen Tag zu gehen.
Eckhard Oldenburg, Pastor der ev.-luth. Lüneburger St. Nicolaigemeinde


19. Mai: VATERTAG
Ein Vater hatte einen Sohn, den er einfach nur liebhatte. Als er erkannte, dass es für ihn Zeit war, die Welt zu erkunden, sagte der Vater: Geh mit Gott, aber geh! Es war ein himmlischer Austausch, an dem sein Sohn teilnahm. Er kam bei einer bodenständigen Familie unter. Wo gebetet wurde, ging er hin, diskutierte mit den Leuten, intensiv und immer heftiger. Bei all dem berief er sich immer auf die Liebe, die er erfahren hatte. Sein Sohn blieb nicht allein. Sie heilten und halfen, sie fischten und teilten Essen, sie feierten, sie erlebten Wunderbares. Er hatte die Liebe von ihm, dem Vater. Sie verleiht Kraft, auch zum Leiden. Als dann alles geschehen war, was geschehen musste, beschloss der Vater, dass sein Sohn lang genug im Namen der Liebe unterwegs gewesen war. Die Spur war gelegt. Sie kannten ihn. Sein Sohn, der weltverloren schien, sollte wieder nach Hause kommen. Da wurde er aufgehoben. Zur Rechten seines Vaters. Eine wunderbare Feier nahm ihren Lauf. Vatertag im Himmel!
Hans-Martin Kätsch, Pastor in der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Peter und Paul Bardowick

18. Mai: LEBENDIGE STEINE
Beim täglichen „Corona-Spaziergang“ habe ich sie in der Landwehr bei Vögelsen entdeckt: eine Schlange aus Steinen, die mit hell leuchtenden, bunten Farben bemalt ist. Daneben liegt ein Zettel: „Liebe Kinder, liebe Spaziergänger! Malt doch zu Hause einen Stein an und legt ihn dazu. Mal sehen, wie lang die Schlange in der Corona-Zeit wird …“. Ich stelle mir vor: jeder Stein steht hier für einen Menschen, egal ob groß oder klein, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau. Ich erinnere mich an die Menschenketten, die wir gebildet haben, als wir uns noch mit vielen anderen treffen konnten: Hand in Hand, mit Kerzen. Eine Menschenkette, die mahnte, erinnerte, eintrat u.a. für den Frieden in unserem Land, in der Welt. Eine Menschenschlange, die tröstete und zeigte: Ich bin nicht allein. In der Bibel heißt es: „Lasst euch auch selbst als lebendige Steine zur Gemeinde bauen. Sie ist das Haus Gottes, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.“ (1. Petr. 2,5) Dieser Geist lässt mich mit anderen zusammen barmherzig und achtsam sein. Er schenkt die Zuversicht, dass wir Krisen bestehen können. Als ich ein paar Tage später wieder in der Landwehr war, leuchteten mir neue Steine entgegen.
Kerstin Herrschaft, Pastorin in der ev.-luth. Paulus-Kirchengemeinde in Lüneburg
 

15. Mai: ACHTSAM UND BEACHTEN
Achtsamkeit auch auf Abstand erlebe ich im Alltag immer wieder: Ein Lächeln, wenn mein Gegenüber mir auf dem Weg ausweicht, ein netter Gruß im Vorübergehen. In diesen Momenten habe ich das Gefühl als Mensch und nicht als potenzieller Virusträger gesehen zu werden. Achtsamkeit in der virtuellen Welt erscheint da schwieriger. Kommunikation via Mail, nur schriftlich, führt oft zu Irritationen und Missverständnissen. Gerade bei Menschen und Kollegen, die es gewohnt sind, alle wichtigen Dinge im direkten Gespräch zu klären. Je länger diese Situation anhält, umso mehr scheinen wir den Menschen, der uns eigentlich vertraut ist, hinter der Mailadresse zu vergessen. Vertrauen und Zutrauen in den anderen schwinden. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Diese Goldene Regel kann uns gerade in diesen Zeiten dabei helfen, uns zu erinnern, dass hinter jeder Mailadresse, hinter jedem Mund-Nasenschutz immer noch unser Nächster ist: ein Mensch, der unsere Achtsamkeit genauso verdient hat wie wir seine.
Iris Weiner, Schulpastorin im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg


14. Mai: KRIBBELN IN DEN BEINEN
Corona bewirkt bei mir erste Langzeiteffekte. Jetzt gerade fühlt es sich für mich so an, als wären mir gleich beide Beine eingeschlafen. Und ich stehe auf und merke das. Die Beine kribbeln von der Hüfte bis zu den Füßen. Meine Muskeln sind wie aus Pudding. Ich weiß dann, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis meine Beine wieder wach sind. Und dass es besser ist, ein paar Schritte zu gehen, als mich wieder hinzusetzen. Aber noch steckt mir der Schlaf in den Beinen. Und ich frage mich: Wie geht‘s weiter und wo geht‘s hin? Und ich lese in der Bibel: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. – Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.“ Wieder losgehen mit eingeschlafenen Beinen. Das ist jetzt dran. Wieder losgehen und dann ankommen.

Andreas Zachmann, Pastor der ev.-luth. St. Laurentius Kirchengemeinde Kirchgellersen
 

13. Mai: SONNE UND EINE LACH-BRISE
Etwas unsicher stehen wir uns gegenüber: Mehr als acht Wochen habe ich mit diesen Freunden nur über Social Media kommuniziert. Jetzt sind Treffen mit zwei Haushalten erlaubt und wir sehen uns erstmalig persönlich. Kein Handschlag, keine Umarmung, keine Berührung, ungewohnt für uns. In 1,5 m Abstand setzen wir uns an den Tisch und erzählen alles, was wir erlebt haben. Irgendwann entdecke ich die gewohnten Lachfalten im Gesicht meiner Freunde, die strahlenden Augen und die vertrauten Gesten. Auf einmal ist es wie immer zwischen uns. „Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen, die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verwehen“ singt Rio Reiser im Lied „Land in Sicht“. Und im Stillen danke ich Gott von Herzen für diese zwei Stunden Sonne und die Lach-Brise mit meinen Freunden an diesem Tag.
Kristin Bogenschneider, Pastorin der ev.-luth. Kirchengemeinde Nahrendorf


12. Mai: VITAMIN B-DUR
Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte, Vitamin D auch. Das kann der Körper sogar mithilfe von Sonnenlicht selbst herstellen. Super! Ich rate aber heute mal zu: Vitamin B-Dur. Musik hören ist ja immer eine gute Idee. Für jede Gemütslage gibt es eine passende Musik. Und die Tonart ist da nicht ganz unbeteiligt. Der Dichter und Komponist Christian Schubart – ein Mozart-Zeitgenosse – beschreibt den Charakter von B-Dur mit Begriffen wie „Glückliche Liebe“, „gutes Gewissen“, „Hoffnung“, „Hinsehen auf eine bessere Welt“. Na, wenn das nichts ist, an grauen Tagen... Wie wäre es also zum Beispiel mit der 4. Sinfonie von Beethoven?! Die steht in B-Dur, ist nicht so bekannt wie etwa die fünfte, aber ganz wunderbar. Schon im ersten Satz gewinnt sie, nach zunächst düsterem Moll, plötzlich an Vitalität - in leuchtenden Farben, prall und lebendig. Oft sind es die Gegensätze, die für eine überwältigende Wirkung sorgen. Ohne das Schattenreich ist das Lichtreich des Lebens nicht möglich. Also: Hin zum Licht mit Vitamin B-Dur! Ist ja schließlich nicht nur Corona-Zeit, sondern auch Beethoven-Jahr. Vergisst man manchmal.
Gunnar Jahn-Bettex, Pastor in der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis Lüneburg

11. Mai: EIN NEUES
Überall in meinem Garten piept und schwirrt es. Im Winter haben wir Nistkästen aufgehängt, und nun brüten die Vögel darin und auch in der Hecke und anderen verborgenen Verstecken. Klitzekleine Eier haben sie gelegt und bebrütet. Neues Leben wächst darin. Darum sind Eier seit jeher Hoffnungszeichen gewesen. Mich erinnert das in der besonderen Osterzeit dieses Jahres an einen Satz des Propheten Jesaja: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht?“ (Jesaja 43,19). Obwohl ich diese Zeit anstrengend finde, macht mir die Aussicht Hoffnung. Ich wünsche mir, dass ich das gute Neue erkenne, das aufkeimt in dieser Zeit.
Christian Cordes, Superintendent im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg
 

8. Mai: LEUCHTEN DER SEELE
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ (Jesaja 9,1a) Manchmal kann ich es sehen, dieses Licht in den Augen, das den ganzen Menschen von innen her strahlen lässt. Dieses Leuchten der Seele, das entsteht, wenn ein Mensch von der Liebe berührt wird. Natürlich können sich die Gesichter auch wieder verfinstern, aber sie sind durchaus fähig zu neuem Leuchten. Spätestens dann, wenn ein anderer Mensch imstande ist, ihnen Gott nachzuahmen. Zum Beispiel in der Liebe; sie macht Menschen lichtvoll. Mal strahlt uns ihr Licht ganz plötzlich und unerwartet an und mal schimmert es erst zart am Ende eines langen Weges durch die Schöpfung. Dieses Licht jenseits von allem nenne ich Gott und seine Strahlen leuchten im Mensch und Tier und allem, was uns umgibt. Bleiben wir durchlässig für dieses Leuchten Gottes in dieser Welt, durch dich, durch mich...!
Helmke Hinrichs, Schulpastor und Pastor in der ev.-luth. Kirchengemeinde Martin-Luther Lüneburg
 

7. Mai: EIN GLAS VOLLER GUTER GEDANKEN
Eigentlich war es ja mal für gute Wünsche zur Hochzeit gedacht: Das Glas mit Schraubverschluss. Oben im Deckel befindet sich ein Schlitz, wie bei einer Spardose. Noch ist es zu früh, wieder richtig in Kontakt mit Menschen zu gehen. Die Ungeduld wächst. Um die Zeit des Wartens zu verkürzen und womöglich auch, um den Dingen, die uns jetzt fehlen Raum zu geben, stelle ich dieses Glas bei uns auf. Jedes Familienmitglied darf es mit positiven Gedanken füllen. Auch liebevolle Gedanken an andere sind erlaubt und womöglich merken wir dann nach der Krise, auf welche Bindungen wir nun besonders achten und sie nicht für selbstverständlich nehmen. Als Erstes werde ich wohl einen Zettel schreiben auf dem „Vertrauen“ steht. Vertrauen ins Leben und dass wir alle in Gottes Hand geborgen sind. Was steht auf Ihrem Zettel?
Katja Reinke, katholische St. Mariengemeinde Lüneburg
 

6. Mai: VERBUNDEN
Schritt für Schritt zurück ins öffentliche Leben. Zurückkehrende Freiheiten. Was bleibt anders in der „neuen Normalität“? Kein Händeschütteln, dafür Mund-Nasen-Maske als neues Accessoire für alle? Zumindest Vorsicht, wo vorher Unbekümmertheit herrschte. Die Erfahrung, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wir können einander anstecken – aber auch beistehen. Neu bewusst geworden ist mir, wie verletzlich wir als Gesellschaft sind. Verletzlichkeit ist heilsam, wenn sie vor Überheblichkeit schützt. Ich bin auch dankbar – für umsichtige Politiker (statt sonst üblicher Politkerschelte), einen funktionierenden Staat, einsichtige Bürger, spontanes Zusammenstehen in der Krise. Ich spüre Dankbarkeit gegenüber sonst übersehenen Berufsgruppen. Dankbarkeit für Freiheiten, die im Verzicht erst spürbar werden. Dankbarkeit, dass wir bisher recht gut durch die Krise gekommen sind. Was machen wir mit den Erfahrungen? Aufeinander angewiesen und verbunden können wir viel bewältigen – und für diese und die Krisen der Zukunft liegt noch manche gemeinsame Kraftanstrengung vor uns. Eine Kraftquelle ist mir die Zusage Jesu, der von sich sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. (Joh. 15,5)
Michael Thon, Pastor in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg


5. Mai: GEBETE
Ein Vater erzählt mir vom Abendgebet in der Familie. Der vierjährige Sohn sagt zum Schluss: „Darf ich auch nochmal was sagen?“. „Ja.“ Dann sagt er: „Lieber Gott, mach, dass das Virus nicht zu uns kommt und keiner stirbt!“ Not lehrt beten. Aber Not lehrt auch, dass der liebe Gott manches leider nicht macht. Kinder erleben, dass selbst Mama und Papa, die so klug und stark sind, nicht viel  machen können gegen dieses – wie auch immer vorgestellte – Virus. Trotzdem tut es gut, Gott hin und wieder zu sagen, was man sich wünscht. Als ein Freund sterbenskrank war, betet Martin Luther dringend dafür, dass er gesund wird. Luther beendet das Gebet: „Mein Wille geschehe! Amen.“ Sowas darf man eben auch noch mal sagen.
Pastorin Amélie zu Dohna, ev.-luth. Kirchengemeinde Bardowick


4. Mai: EIN GANG WEITET DEN HORIZONT
Spaziergänge tun gut. Gerade in diesen Zeiten. Man kommt auf andere Gedanken, und der Horizont weitet sich. Beim Seniorentelefonkreis letzte Woche tauschten sich die Teilnehmer angeregt über Beobachtungen bei ihren Fußwegen durch die Stadt aus: am Lösegraben sich über die Entenfamilie freuen, im Kurpark das frische Grün bestaunen, beim Weg über den Friedhof an die eigene Sterblichkeit denken. Mein Mann und ich spazierten kürzlich den Timeloberg bei Wendisch Evern hoch. Dort wurde heute vor 75 Jahren das Ende des Zweiten Weltkrieges eingeleitet. Was für ein Segen. Auch ein Spaziergang zum neugestalteten Friedhof für die KZ-Häftlinge im Tiergarten ist zu empfehlen. Im Gedenken an die Menschen, die da begraben sind, ist man erschüttert. Und es weitet sich der Horizont. Mitten im Corona-Alltag wird einem bewusst, wie dringlich auch heute die biblische Bitte ist: „Herr, richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“.
Christine Schmid, Leitende Superintendentin, Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

30. April: SCHMECKT NOCH!
Als ich ein Kind war, habe ich bei Erkältungen Multi-Sanostol® bekommen. Das hat so gut geschmeckt, dass ich es noch weiternehmen wollte, wenn der Husten längst vorbei war. Haben Sie schon etwas entdeckt, das Sie aus der Corona-Krise behalten wollen? Mein Sohn hat in diesen Tagen die Geschichte von Bartimäus für sich entdeckt. Er zeigt immer traurig auf die Augenbinde von Bartimäus. Der war blind. Und dann kam Jesus zu ihm und hat ihn gefragt: „Was soll ich für dich tun?“ „Dass ich wieder sehen kann“, antwortet Bartimäus. Und dann ist dessen Krise vorbei. Jesus Christus heilt ihn. Aber Bartimäus möchte nicht zurück in sein altes Leben. Mantel, Augenbinde und Bettelschale können ihm gestohlen bleiben. Er folgt Jesus. Auch nach der Krise möchte er bei dem bleiben, der ihm in der Krise geholfen hat. Er möchte ein Leben mit Christus: Vita mit C.
Frederic Richter, Pastor in der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Dionys
 

29. April: LYRISCHES GLÜCK
Sonntagsmomente und Alltagsentdeckungen. Das satte Gelb und Grün der Felder. Von meinen Jungs umarmt zu werden. Das Blau des Himmels. SchauSpielHausStream, you-tube Kanal Theater Lüneburg, Netflix Serien, schöne Literatur. Kaffeetrinken in der Sonne. Die Glocken von St. Michaelis zu hören und MichaelisZEIT zu sehen. Das Zwitschern der Vögel in den Bäumen und die Rufe der Turmfalken. Die Losung, die wie die Faust aufs Auge passt. Die Freude stehen zu bleiben, um mit jemandem zu reden. Im Auto laut Musik zu hören. Das Glitzern des Sonnenuntergangs im Weinglas. Anrufe, Mails, WhatsApp, Telegram und Post von und für Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle. Worte zum Abpflücken: Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten. (Hilde Domin)
Pastorin Silke Ideker, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis Lüneburg
 

28. April: LEBEN UND KRAFT
Ich habe die Tür vom Seelsorgebüro in der Klinik offen und sehe sie vorbei gehen: Er trägt feine „Sonntagskleidung“ und eine Reisetasche, Sie ganz behutsam einen Babytragekorb. Zwei Krankenpflegerinnen überholen die beiden in gebührendem Abstand, halten ihnen die nächste Tür auf und es entspinnt sich ein kurzes Gespräch. „Oh, ist das ein neues Baby?“ fragt die eine interessiert. „Ja, es ist fünf Tage alt!“ antwortet die Mutter, leise und stolz. Und die beiden Mitarbeiterinnen halten auf ihrem Weg durch die Klinik inne, schenken dem neuen Leben einen Moment Zuwendung und den Eltern gute Wünsche. Mich erreicht eine Welle Dankbarkeit, die über den Klinikflur in mein Büro schwappt. Immer wieder entsteht neues Leben, wächst Neues heran auf vielfältige Weise – in der Natur und auch in meinem veränderten Alltag. Danke liebe Lebenskraft!
Martina Forster, Seelsorgerin, Katholische Gemeinde Lüneburg


27. April: ZEICHEN DER HOFFNUNG
Vor ein paar Tagen beim Spaziergang mit der Familie im Wald: Unserer fünfjährigen Tochter haben wir die Abstandsregeln noch mal klar gemacht – und dass man so aufeinander aufpasst. Als uns nach geraumer Zeit die ersten Leute entgegenkommen, läuft unsere Tochter ganz aufgeregt zu uns: „Achtung, Menschen!“, ruft sie und klammert sich an uns. Wir müssen lachen. Und es dauert ein paar Schritte, bis uns die Doppeldeutigkeit ihres Ausrufs deutlich wird. Dass es nicht darum geht, voreinander Angst zu haben. Sondern dass das Leben mit all seiner derzeitigen Einschränkung vor allem eines ist: Ein Zeichen für die Achtung, die wir vor anderen haben. „Achtung, Menschen!“: Kindermund tut Wahrheit kund.
Pastor Dennis Schipporeit, ev.-luth. Kirchengemeinde Lüne
 

24. April: SPIELEN
Ich oute mich jetzt mal. Ich bin Anfang vierzig, Single und habe das Spielen und Bauen mit kleinen, dänischen Bausteinen wieder neu für mich entdeckt. Ich kann das allein für mich machen, die Bausteine zur Seite legen und rausholen wie es gerade passt. Und ganz wichtig: Ich kann dabei so richtig abschalten, verliere mich völlig in Gedanken. All die Corona-Dinge, all das Verrückte dieser Zeit rückt dann mal in den Hintergrund und es zählt nur das Hier und Jetzt. Und vielleicht ist ja genau das damit gemeint, wenn Jesus sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäusevangelium Kapitel 18, Vers 3). Wer weiß: Vielleicht gleicht das Himmelreich genau dem Gefühl, dass ich habe, wenn ich mich im Spielen verliere und Corona & Co eine Zeit lang mal nicht existent sind. Es gibt so viele tolle Spiele und Spielsachen die auch für die „großen Kleinen“ da sein können. Wir sollten einfach mehr spielen.
Frank Jonas, Diakon und Kirchenkreisjugendwart, Evangelische Jugend Lüneburg


23. April: ALLES ANDERS
Am vergangenen Sonntag blickte ich morgens vom Turm der Michaeliskirche über unsere Stadt. Von der Sonne beschienen lag sie da. Sie kam mir vertraut vor und doch gerade anders. So wie vieles jetzt anders ist:  Gottesdienst ist anders. Schule ist anders. Husten ist anders. Lieben ist anders. Wie soll das weiter sein? „Frag mich nicht wie, frag mich nicht wann“, singt Gerhard Gundermann in seinem Lied „Soll sein“. Ich höre dieses Lied zur Zeit oft und gerne. Es gibt einen Textabschnitt, den mag ich ganz besonders. In ihm steckt Hoffnung für das Leben irgendwann. Und da klingt es so charmant biblisch: „Der Regen soll wieder seinen Bogen schlagen / zwischen schwarz und weiß wie ‘n bunter Arm / und das Rot darin soll nicht mehr so verlogen sein / und Grün und Gelb nicht mehr so arm.“ Vertraut aber auch anders. So soll es sein. „Frag mich nicht wie, frag mich nicht wann, ‘s ist doch nur ‘n Lied, aber mit ‘m Lied fang‘ ich erstmal an.“
Olaf Ideker-Harr, Schulpastor an den Berufsbildenden Schulen I in Lüneburg
 

21. April: MACH’S WIE PAUL
Jetzt erleben wir schon die 6. Corona-Woche. Sowas hätte ich mir nie vorstellen können... Vieles fehlt mir: das Singen im Chor, Besuche bei meiner alten Mutter in der Demenz-WG, der normale Alltag, die Begegnungen, Berührungen, Beziehungen... statt dessen: viele Gedanken an die, die in Not sind... puh, und wie lange geht das so? Mein Vitamin C: ich mach’s wie Paul! Der hat in schwierigen Zeiten den Blick auf das gerichtet, was trotzdem geht, was Kraft gibt, was Herz und Gemüt aufleben lässt: Sonnenschein und blauer Himmel, leuchtende Blüten am Kirschbaum, ein Wiedehopf im Garten, ein unverhoffter Anruf, selbstgekochtes Essen, Zeit für Spaziergänge und zum Puzzeln, neue Ideen, große Hilfsbereitschaft, Vertrauen und Miteinander auf andere Art, vieles mehr! Paul hat gewusst, wie es geht. Gerade, wenn es viele Wochen dauert. Deshalb: ich mach‘s wie Paul und sag mir jeden Morgen: geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser langen Corona-Zeit!
Diakonin Antje Stoffregen, Leiterin der Kindertafel in der ev.-luth. Kirchengemeinde Paul-Gerhardt Lünenburg


21. April: HILFE AUCH DANACH
Wie freundlich die Menschen jetzt alle sind!“ Meine Gesprächspartnerin am Telefon will nicht klagen. Sie sucht der aktuellen Situation die guten Seiten abzugewinnen. Ja, das erlebe ich auch: Das freundliche Gesicht der Arzthelferin, das selbst die Maske nicht verbergen kann. Den eiligen Paketboten, der im Weggehen noch einen guten Wunsch parat hat: „... und schön gesund bleiben!“ Den jungen Mann bei Edeka, der den Einkaufswagen auch kurz vor Feierabend noch geradezu fürsorglich desinfiziert. Ein Satz aus der Bibel fällt mir ein: „So zieht nun an als die Geliebten herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“ Lauter Vitamine! Die helfen bestimmt. Jetzt in der Krise und auch danach.
Pastor Hartmut Merten, ev.-luth. Kirchengemeinde Paulus Lüneburg

20. April: C WIE CHICKEN
Wenn sie mich sehen, dann laufen sie mir entgegen. Eigentlich ist es ein Hüpfen und Flattern. Ich bilde mir dann gerne ein, dass sie sich freuen, mich zu sehen und nicht nur auf das Futter aus sind, das ich ihnen bringe. Meine Hühner sind den Tag über gern auf Wanderschaft – meist in den Gärten meiner Nachbarn. Angst vor dem Unbekannten haben sie nicht. Aber abends stehen sie wartend am Stall. Immer im Vertrauen darauf, dass ich komme, Futter und frisches Wasser bringe und die Türen vor den Gefahren der Nacht sicher verschließe. So albern es klingen mag: Dieses Bild der friedlich glucksenden Hühner lässt mich abends ruhig werden und an die Worte des vierten Psalms denken: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne. In dieser Zeit mein Vitamin C. C wie Chicken.
Pastorin Henrike Koch, ev.-luth. Kirchengemeinde Reinstorf
 

17. April: DICHT DRAN
Mein Arbeitsalltag hat sich verändert. Ich telefoniere jetzt z.B. noch viel mehr als sonst und bin damit sogar dichter an manchen Leuten dran, als es vor Corona der Fall war. Das ist schön. Aber viel schöner empfinde ich die Tatsache, dass mir eine Sache jetzt mehr begegnet, als vor Covid-19: Dankbarkeit! Menschen erzählen mir, wie dankbar sie sind: ...dass sie als Familie enger zusammengerückt sind. – Wo vorher Konflikte das Miteinander gestört haben, sind diese durch die Krise in den Hintergrund getreten. ...dass sie jetzt mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. – Eine positive Sicht auf Kurzarbeit. ...für die besonnene Haltung der Bundesregierung, was Maßnahmen angeht. – Es wird mal nicht nur über die Verantwortungsträger gemeckert. ...dass sie endlich zur Ruhe kommen. – Corona hat ein stückweit aus dem Hamsterrad des Gestresst-seins befreit. ...für die gute medizinische Versorgung in unserem Land. – Eine neue Wertschätzung für das sonst so Selbstverständliche. ...für volle Regale im Supermarkt. – Die Erkenntnis: Uns geht es so gut! ...dass der Glaube in Krisenzeiten trägt. – Wenn die Theorie zur Praxiserfahrung wird. Mir gefällt die Aussage von Francis Bacon, der gesagt hat: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Das Glück liegt somit (auch) in unseren Händen. Dankbarkeit ist Vitamin-C pur. Dafür bin ich dankbar.
Pastor Friedemann Pache, ev.-freikirchl. Matthäus-Gemeinde Lüneburg

16. April: MUSIK ZUM TROST
Zwangsruhe, das Gefühl von Eingeschlossensein, nicht nur in Wohnungen und Häusern, auch in meiner Seele! Durch meinen Kopf gehen seit längerer Zeit eine Melodie und die dazugehörigen Worte aus den „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz (z.B. auf YouTube leicht zu finden!): Gehe hin, mein Volk, in deine Kammer und schließ die Tür nach dir zu! Verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe. (Jes 26,20) Rückzug in einen „Freiraum für Gott“. In ähnlicher Weise hat auch Jesus die Menschen aufgerufen, sich zum Gebet in ihr Kämmerlein zu begeben. Vielleicht ist jetzt neben allen Versuchen, Gemeinschaft herzustellen, genau das dran? Mir hilft Musik wie die von Heinrich Schütz, gerade jetzt! Die Probleme verschwinden dadurch nicht, aber ich finde in ihr Trost und Stärkung in Zeiten reduzierter menschlicher Begegnungen. Und nun ist es Ostern geworden: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Auch das höre ich in den Musikalischen Exequien – und erlebe, wie sich unerwartet Türen zu Menschen öffnen.
Pastor Thomas Müller, ev.-luth. Katharinen Kirchengemeinde Embsen
 

15. April: NUR LIEBESBRIEFE!
„Sonne! Sonne! Sonne!“ – sagt der Nachbar auf die Frage, was er braucht. Und jedes Ausrufezeichen wird mit der Faust auf den Tisch unterstrichen. Danke, Heinz! Der überzeugende Sound Deiner Stimme vibriert in meinem Ohr und Herzen. „Sonne! Sonne! Sonne!“ Vitamin C pur! Eine Frau ermahnt mich eindringlich am Telefon. „Keine Zweifel! Nur Zuversicht! – Ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. So!!! Das ist Evas Taufspruch – und  Programm!“ So sei es, M.!

Es vibriert. Kurz nach der Haustaufe am Ostermontag radle ich durch die Grapengießerstraße: „Nur Liebesbriefe“ hat jemand mit schwarzem Stift auf das leuchtende Gelb des Briefkastens geschrieben. Ich erinnere mich an den Liebesbrief von Paulus: „Glaube! Hoffnung! Liebe!“ – auch ein schöner Dreitakt mit Ausrufequalität! Zuhause angekommen, liegt echte Post vor meiner Tür: Eine Dankeskarte und ein Bilderbuch über Anne und Oma Pfirsich – über das Briefeschreiben, den Tod, die Himmelsleiter und den Tanz des Lebens. Danke, liebe Selma!
Pastor Stephan Jacob, ev.-luth. St. Michaelisgemeinde Lüneburg
 

14. April: NEUES ENTDECKEN
Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden haben zu Ostern Post bekommen,  verbunden  mit  dem  Auftrag,  ein  Foto  von  ihrer  Neuentdeckung  während  der  Corona-Krise  zu  schicken.  Die  ersten  Rückmeldungen sind schon da: Eine Konfirmandin  näht  Mundschutzmasken für ein Altenheim, eine andere malt Osterkarten für die Nachbarn, ein Konfirmand trainiert Volleyball im eigenen Garten, jemand hat das Backen für sich  entdeckt  und  ein  anderer  den Wald für Mountainbike-Touren. Weil die ursprünglichen Pläne durchkreuzt wurden, haben sich die Jugendlichen auf die Suche nach etwas Neuem begeben und dabei spannende Entdeckungen gemacht. Von durchkreuzten Plänen haben wir auch in der Ostergeschichte gehört. Da sind die Frauen, die sich mit wohlriechenden Ölen aufmachen, um den Leichnam Jesu zu salben. Doch dann, durchkreuzte Pläne: ein leeres Grab. Und während die Frauen sich vielleicht etwas ratlos auf die Suche nach einer neuen Aufgabe begeben, machen sie plötzlich eine großartige Entdeckung, die ihr Leben verändert. Erst begegnen sie einem Engel, der ihnen sagt: „Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat“, und schließlich begegnet ihnen der Auferstandene selbst. Am Ostermorgen hat sich alles verändert und auch uns eine neue Perspektive für unser Leben ermöglicht – Vitamin  C  für die Zeit nach Ostern.
Maren Fedtke, Diakonin in den ev.-luth. Kirchengemeinden Reppenstedt und Kirchgellersen
 

8. April: SEGEN IM CHAOS
Alles, was chaotisch ist in dir, möge Ruhe finden. Alles, was in dir tobt, möge in Stille  ankommen. Die Stimmen mögen verstummen, die dich so sehr in Anspruch nehmen, und das Zerren mag ein Ende finden, das sich in dir breit gemacht hat. Das Ringen, das mit dir geht, sogar bis an die heiligen Orte. Die Fragen, die dich nicht schlafen lassen, und die verhindern, dass du dein Leben als Ganzes wahrnimmst. Alles, was dich davon abhält, in der Gnade aufzugehen, in der du gemacht bist. Lass los, was dich ablenkt. Lass los, was dich spaltet. Lass all das ein Ende haben, was dich klein macht, was dich erniedrigt. Lass gehen, all das, was dich gefangen hält. Aber lass einen Spalt offen für die Stille, die hinter dem Chaos liegt. Den kleinen Moment, in dem du Frieden findest. Die Ruhe, an die du nicht mehr geglaubt hast. Und halte Ausschau nach dem, was ganz unten im Sturm glitzert.
(von der US-Autorin Jane Richardson) Diakon Martin Blankenburg, katholische Kirche Lüneburg
 

7. April: FINDEN
Isolationszeit ist Aufräumzeit, Aufräumzeit ist Zeit zum Wiederfinden – ohne zu suchen! Sagte nicht mal Picasso: Ich suche nicht, ich finde! So geht es mir gerade. Ich habe beim Aufräumen diese Zeilen wiedergefunden: „Dass immer einen wahren Freund Du hast, der Freundschaft wert, der Dir Vertrauen gibt, dass Du dank ihm den Stürmen standhältst und so die Höhen erreichst, das wünsch ich Dir.“ Daraus folgte ein langer Anruf, am anderen Ende ein Freund. Wiedergefundene Zeit miteinander. Schön wars!
Pastor Henning Hinrichs, ev.-luth. Kirchengemeinde Reppenstedt
 

6. April: TROST
Sorgt euch nicht um euer Leben!“ sagt Jesus in der Bergpredigt.Das ist leichter gesagt als getan, gerade in diesen Zeiten. Die Angst vor dem Virus wächst wie die Zahl der Infektionen. Furcht davor drückt, was alles verloren geht und gehen kann: Arbeit, Einkommen, Wohlstand, Kultur, Demokratie. Doch gerade darum brauche ich Hilfe hier und heute. Es heißt nicht: „Schaut Giersch und Unkraut an, wie es sprießt und dich ärgert.“ Sondern: „Schaut die Lilien auf dem Feld. Seht die Vögel unter dem Himmel.“ Habe ein Auge für die Schönheit des Frühlings. Sei gut zu dir selbst. Drehe dich nicht ein in deine Sorgen, sondern tausche dich aus mit anderen. In alledem kannst du erfahren, was den Rat Jesu begründet. Es sind Worte wie diese: „Du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich“ (Psalm 23, 4).
Martin Hinrichs, evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen

3. April: DIE SEELE
Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte. Orangen und Mango, Johannisbeeren und Brokkoli, Rosenkohl und Zitrone sind super gesund und wer das nicht mag oder auf Nummer sicher gehen will, greift zur Brausetablette. Vitamin C für die Seele gibt es nicht im Supermarkt (mit einer Ausnahme) und auch als Brausetablette ist es nicht zu bekommen. Aber wie unser Körper braucht unsere Seele Abwehrkräfte – und die gibt es Mitten im Leben. Vitamin C für die Seele, das ist morgens der erste Schluck Kaffee und dazu die gesammelten Lebensweisheiten unserer Töchter, das ist der Turm von St. Johannis im warmen Morgenlicht, das Lächeln von Menschen im Super-markt, die sich gegenseitig Platz machen, ein freier Parkplatz mitten in der Stadt – perfekt zum Rollschuhlaufen üben. Das ist Postkarten bekommen und Postkarten schreiben, Ende März endlich den Schlitten für 10 Minuten rausholen, in der warmen Frühlingssonne laufen, Neues ausprobieren, spontane Hilfsangebote von vielen Menschen und Schokoeier und Schokohasen in diesem Jahr ausnahmsweise schon vor Ostern (die eine Ausnahme aus dem Supermarkt). Vitamin C für meine Seele ist ein Wohnzimmer voller Konfetti und Schnipseln als Dekoration für die Party, die unsere Töchter mit ihren Freunden nach Corona feiern möchten. Und das ist Ostern vorbereiten und darauf vorfreuen: ganz anders als gewohnt, getrennt und doch gemeinsam Ostern online feiern mit dem Vertrauen: es gibt immer Grund zur Hoffnung.
Pastorin Dr. Dorothea Noordveld, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Lüneburg


2. April: ZEIT
„Und dann muss man auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen“ schreibt Astrid Lindgren. Zeit, lange gab es sie nicht. Nun schon. Zumindest für einen Teil von uns. Unnütz sein, untätig sein. Einfach: Sein. Wie Diogenes in der Tonne. Und Zeit haben fürs Denken. Warum sind die Dinge so, wie sie sind? Können sie nicht auch anders sein? Sind vermeintliche Zwänge wirklich Notwendigkeiten? Unnütz sein war früher ein Privileg. Der Anfang aller Philosophie. Heute empfinden wir anders. Während ein Teil emsig arbeitet, ist der andere Teil zur Untätigkeit verdonnert. Selbst Hilfsbereitschaft hat gerade keinen Markt. Viele Hilfsbereite treffen momentan noch auf wenige, die Hilfe suchen. Unnütz sein. Unproduktiv. Vielleicht ist es Zeit, sich auch einmal das zu erlauben.
Pastorin Annegret Bettex, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis Lüneburg
 

1. April: BESONDERE AUGENBLICKE
„Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“. Mit diesen Worten definiert sich Hans Schnier im Buch „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll. So wie er Augenblicke sammelt, achte ich zur Zeit besonders auf ungewohnte Momente der Stille. Sie verbinden uns – unabhängig von Religion und Konfession – mit dem Heiligen, gelobt sei es, sei sie, sei er. Mitten in aller Aufgeregtheit, Angst und Bedrückung dieser Tage wünsche ich Ihnen solche Impulse des Heiligen, auch in Begegnungen mit anderen Menschen. Ihre Seele wird diese Momentaufnahmen sorgfältig speichern und daraus zu gegebener Zeit ihre eigenen Schlüsse ziehen. Der Mensch lebt nicht vom Materiellen allein, sondern von jedem Aufleuchten des Heiligen, mitten im bisweilen knirschenden Getriebe dieser Welt.
Pastor Ingo Reiman, ev.-luth. Kirchengemeinde Betzendorf
 

31. März: ZAUBER IM ALLTAG
"Es schneit, Papa!" Unsere dreijährige Tochter steht im Pyjama am Bett und hat ihre Gummistiefel bereits angezogen. Nach der Zeitumstellung ist es wenigstens viertel nach sieben statt viertel nach sechs. Etwas später laufen wir durch den Garten – sie sehr begeistert, ich eher etwas grummelig. Von meinen Kindern lerne ich immer wieder neu mich zu begeistern. Mit ihren Augen sehe ich das Besondere im Alltäglichen. Sie erinnern mich daran, dass das Leben etwas ganz Tolles ist. Und das empfinde ich spätestens nach der ersten Tasse Kaffee auch so. „Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort.“ Der Schnee verzaubert kurz den Alltag und zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Später am Morgen rollt meine Tochter mit ihrer großen Schwester drei kleine Schneebälle und stapelt sie übereinander. Und ich falte ein kleines Hütchen aus Papier für den Schneemann – auch wenn er nur zehn Zentimeter groß ist. Schläft ein Lied in allen Dingen.
Pastor Dr. Diederik Noordveld, ev.-luth. St. Johannis Kirchengemeinde Lüneburg
 

30. März: ZEIT
Wir haben alle gleich viel Zeit.
Mein Tag hat 24 Stunden und deiner auch. Oder? Alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden; sterben. In den Himmel gucken, Spielen, Singen, Blödsinn machen, Löcher in den Bauch fragen, sich langweilen, verzweifeln und hoffen hat seine Zeit. Herzen; aufhören zu herzen hat seine Zeit. Krank sein; gesund werden hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit, lachen; klagen, tanzen. Sich verlieren; sich neu finden hat seine Zeit. Telefonieren, vermissen und vorfreuen. Pläne schmieden; Geschmiedetes verwerfen hat seine Zeit. Arbeiten; Pause machen hat seine Zeit. Sonnenschein; Regen hat seine Zeit. Corona hat seine Zeit; Nach-Corona bald ebenso. Auf Gott und die Welt schimpfen; sich auf Gott und die Welt freuen hat seine Zeit. Was hat für Sie und Dich jetzt Zeit?
(nach Prediger 3) Anna Schlendermann, Diakonin in der Kindertafel der Paul-Gerhardt Gemeinde Lüneburg
 

25. März: GLÜCK IM UNGLÜCK
Wir wollen es nicht hören oder wahrnehmen, dass in jedem Unglück und in jeder Krise auch etwas Neues steckt, etwas Gutes, oft auch Glück – und ja, manchmal können wir das erst mit Abstand so betrachten.
Nach 14 Tagen Quarantäne kann ich von vielen Neuentdeckungen berichten:

  • Wie toll und kreativ die Kinder kochen können.
  • Wie ich Videokonferenzen entdecke und schnell neue Technik lerne.
  • Wie ich morgens, mittags und abends den Buntspecht in meinem Apfelbaum beobachten kann.
  • Wie gut selbstgemachte Nudeln und Spätzle schmecken.
  • Wie länger, ausführlicher und persönlicher die Telefonate werden.
  • Wie einander in der Nachbarschaft geholfen wird.
  • Wie ich mehr Zeit habe für andere, und mir dabei das Wort Qualität einfällt.
  • Wie ich die Wiedersehensfreude neu entdecke.
  • Wie gut es ist, zu spüren, dass „ein Mann, ein Wort“ noch zählt und funktioniert.

Henry Schwier, Diakon im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

24. März: KLEID AUS LICHT
„Ostern“ geschieht ständig – nicht nur am Kalendertag. Permanent mischt sich das Ewige ins Hiesige ein. Mal traumhaft-lieblich, mal kantig-korrigierend, mahnend, tröstend, grau, glitzernd oder gar umwälzend wie in dieser Zeit. So sehr, dass wir unmittelbar im Augenblick lernen müssen, etwa dass Beistand nun im Abstand besteht, dass Zusammenhalten Auseinandertreten heißt und „nahe sein“ „von ferne grüßen“ bedeutet.
Die  Formen wechseln, das Ewige nicht. Ostern ereignet sich unablässig und oft sonderbar mitten im Leid – nicht planbar, stets pulsierender als alle Jenseitsgedanken, immer lebendig und leiblich und hier.
Danach Ausschau zu halten, braucht es keinerlei Mühe, ich bemerke es einfach; alle Spuren von Schönheit wie in diesen Tagen das Gefühl von Verbundenheit unter allen Umständen. Es ist kaum messbar, aber wahr; jenseits sonstigen Geschäfts ein Gespür füreinander, ein Erkennen des anderen auf neue und gleichwohl uralte Weise – das Wahrnehmen des Himmels in all seinen Formen der Liebe, des Mitgefühls, des Lebens. Da ist ein unendliches Kleid aus Licht um uns und wirklich gar nichts, nicht einmal der Tod kann davon trennen: Licht vom Licht.
Pastor Bernhard Borowski, ev.-luth. Kirchengemeinde Willibrord in Neetze

25. März: LÄCHELN HILFT
Vor ein paar Tagen war ich einkaufen, am frühen Abend. Ich
gehe mit meinem Einkaufskorb vom abgestellten Auto Richtung Supermarkt. Nett gemeinte Worte von links. „Sie brauchen einen Einkaufswagen“, sagt eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind. Mit der einen Hand schiebt sie ihren Einkaufswagen und mit der anderen den Kinderwagen. „Ach ja“, antworte ich. Also nochmal zurück, einen Einkaufswagen holen. Wieder Richtung Eingang. Der Mann von der Security nickt mir zu. Ich betrete den Supermarkt. Drinnen haben sich keine Schlangen an den Kassen gebildet. Es ist wenig los. Ich kriege keinen Brokkoli mehr, nicht schlimm. Brot ist noch da. Was ich wirklich brauche, kann ich kaufen. Außer mir sind es nur wenige Kundinnen und Kunden, dafür alle mit Einkaufswagen. Kaum Worte, aber viele freundliche Blicke. Praktisch in jedem Gesicht. Wir finden es wohl alle seltsam, da gerade durch den Supermarkt zu schieben. An der Kasse will ich das Brett, das die Waren hinter dem Scanner in eine von zwei möglichen Richtungen schiebt, wegdrücken, sodass ich nicht so weit greifen muss. „Nee“, sagt die Kassiererin, „lassen sie mal. Ist wegen dem Abstand.“ „Ja, richtig“, antworte ich. Sie lächelt. Ich lächele. Freundliche Blicke und Lächeln: mein Vitamin C in diesen Tagen.
Andreas Zachmann, Pastor in der ev.-luth. Laurentius Kirchengemeinde Kirchgellersen

24. März: SORGEN
Die Vögel waren es, die neulich meinen neuen Tag anpfiffen. Nicht der Wecker. Also noch ein paar Minuten Zeit, eh der kleine schwarze Kasten Alarm schlägt. Ich war vor der Zeit und das war schön! Die Kopfschmerzen vom Vorabend waren weg, keine Temperatur, kein Hustenreiz, ich war froh, aus der Traumwelt raus zu sein und in der Arbeitswelt noch nicht drin. Noch ein paar Minuten liegen bleiben und lauschen.
An den Autos hörte ich: es hat geregnet. Aber immer, wenn dieses Rauschen vorbeigezogen war, hörte ich die Vögel. Volle Besetzung: Tauben „gurr, gurr“, Krähe „kräh kräh“, Nachbars Hahn, manchmal, „kikeriki“, viele Spatzen und ab und an ein Singvogel, der wirklich singen kann. Und neben mir atmete es ruhig. Schöne Minuten, ganz für mich. Und dann kam er doch wieder, dieser alte Ohrwurm: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da?“ – „Nöö, noch nicht!“ Aber klar doch, sie werden den neuen Tag nicht verschlafen. Sie kommen! Sie bleiben nicht zu Hause. Doch die Sorgen sollen mich nicht flachhalten. Ich kann was tun. Zum Beispiel den Wecker ausknipsen, bevor er nervt, ich kann die Bettdecke zurückschlagen, die Beine rausschwenken und mich auf die Bettkante setzen. Und ich kann mein allmorgendliches Mantra vor mich hinsagen: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“. Und ich kann aufstehen, ins Bad latschen, mein Tagesprogramm hochfahren. Immer noch. Gott sei Dank!
Johannes Link, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien Scharnebeck

23.März: FUTUR 2
Die Futur 2 ist eine seltene Zeitform: Die vollendete Zukunft. „Wir werden  es überstanden haben.“ Wie wird es sein - wenn wir es überstanden haben werden? Werden wir einander wieder die Hand geben, einander umarmen? Werden wir einander besuchen und uns Zeit nehmen für ein Gespräch Auge in Auge? Werden wir uns freuen, dass die Straßen belebt sind, ja überfüllt?
Wir werden ins Kino gehen, in die Kneipe, ins Theater, in die Kirche. Wir werden wieder zur Arbeit gehen, Kollegen treffen. Hurra, die Ferien sind vorbei! Die Kinder gehen in die Schule, in die Kita. Eines Tages werden wir es überstanden haben. Werden wir etwas vermissen, wenn wir es überstanden haben werden? Ehrlich gesagt bin ich im Moment noch mehr bei dem Satz Jesu: „Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Matthäus 6,34). Aber ich sehe auch Gutes schon in dem, was ich heute erlebe.
Christian Cordes, Superintendent im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

21. März: GOTTESDIENST GANZ ANDERS
Wie oft schon haben mir ältere Menschen entschuldigend erzählt, dass sie  sonntags nicht  mehr in den Gottesdienst kommen können und stattdessen den Fernseh-Gottesdienst verfolgen. Das ist jetzt normal geworden. Hier gibt es viel Kreatives zu entdecken: Im Fernsehen, Rundfunk, Internet oder in den Sozialen Medien werden Gottesdienste geteilt. Es gibt Gebetsvorschläge für zu Hause, Ideen, wie Familien mit Kindern zu Hause kleine Gottesdienste  gestalten können. Ich erlebe, wie Menschen sich  über WhatsApp-Gruppen und per E-Mail vernetzen und über den Glauben austauschen. In der Krise entdecken wir, was wirklich wichtig ist und was uns trägt. Als Seelsorger beten wir gern auch stellvertretend für Sie mit, wenn Sie uns Ihre Anliegen mitteilen. Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Dechant Carsten Menges, katholische Kirche St. Marien Lüneburg

19. März: WAS NICHT AUSFÄLLT
"Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Musik ist nicht abgesagt
Lachen ist nicht abgesagt
Hoffnung wird nicht abgesagt
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt
Achtsamkeit ist nicht abgesagt
Liebe wird nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt
Stille ist nicht abgesagt
Geduld ist nicht abgesagt
Gelassenheit ist nicht abgesagt
Besonnenheit ist nicht abgesagt
Glaube wird nicht abgesagt
(unter Verwendung eines Textes von Robert Pfeiffer) Pastor Eckhard Oldenburg aus der ev.-luth. St. Nicolai Kirchengemeinde Lüneburg

18. März: ZUVERSICHT
"Drei Frösche fallen in einen Topf voller Milch. Der eine lässt den Kopf hängen: “Wir gehen alle unter“. Er ist Pessismist - und tatsächlich ertrinkt er schnell. Der zweite sagt: „Es wird schon Hilfe kommen, einer holt uns hier raus“. Er ist Optimist. Aber auch er geht unter, denn die Hilfe kommt nicht schnell. Der dritte Frosch fragt sich ernsthaft: „Was kann ich jetzt noch tun?“ Er beginnt zu strampeln, so gut er kann, mit seinen kräftigen Froschbeinen. Und tatsächlich: aus der Milch wird erst Sahne und dann Butter. Und er steigt lebend aus dem Topf. Seine Haltung ist Zuversicht. Das zu tun, was möglich ist. In der festen Hoffnung auf einen guten Ausgang. Solche vernünftige und aktive Zuversicht wünsche ich uns allen in diesen Tagen."
Christine Schmid, Leitende Superintendentin des Ev.-luth. Kirchenkreises Lüneburg