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„Wie stehen Christen zu militärischen Interventionen?" - Empfang des Kirchenkreises Lüneburg

Nachricht Lüneburg, 11. Juli 2022

Zum Jahresempfang mit aktueller Diskussion lud der Ev.-luth. Kirchenkreises dieses Jahr im Sommer ein. Im Mittelpunkt des festlichen Treffens stand eine herausfordernde Fragestellung: „Wie stehen Christen zu militärischen Interventionen?“ Viele Gemeindeglieder und Bürger:innen ringen mit sich, ob und wie sie Waffenlieferungen und andere militärische Optionen als Christ:innen befürworten können.

Der Empfang begann mit einer geistlichen Besinnung. Mit Worten der Bibel, Tanz und Musik wurden Impulse gegeben. Der Kammerchor unter der Leitung von Henning Voss musizierte, Kirchenmusikdirektor Joachim Vogelsänger spielte an der Orgel. Einen besonderen Akzent sezte auch Katerina Vlasova mit einer Tanzperformance.

Der Sprengel Lüneburg berichtet über die thematsichen Beiträge:
„Warum ist wieder Krieg in Europa“, klagte die Leitende Superintendentin Christine Schmid im Eröffnungsteil. Texte von Dietrich Bonhoeffer und Friedensgebete erklangen im Wechsel mit Chor- und Orgelmusik, eindringlich in Bewegung gesetzt von der ukrainischen Tänzerin Katerina Vlasova.

„Gewalt ist schrecklich, kann aber nötig sein, um Gewalt einzugrenzen“, positionierte sich Regionalbischof Stephan Schaede im anschließenden „friedensethischen Gespräch“ mit Brigadegeneral Christian Freuding und dem Friedensbeauftragten der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Jasper von Legat. Es müsse beim Einsatz von Gewalt allerdings eine Perspektive zur Gewaltreduktion geben, nannte Schaede ein Gebot christlicher Ethik. Eine Forderung, der Freuding auch als Leiter des Lagezentrums Ukraine im Bundesverteidigungszentrum zustimmte: „Der Einsatz von Gewalt muss auf eine gerechte Friedensordnung in Europa gerichtet sein.“

Die Gegenposition vertrat Jasper von Legat: Der Einsatz militärischer Gewalt in der Ukraine sei weder die einzige Option noch sei er vernünftig, widersprach von Legat der Rechtfertigung des Krieges als ultima ratio. Es gebe andere Möglichkeiten zur Lösung des Konflikts. „Christen sind nicht naiv, wenn sie von ihrer Hoffnung auf Frieden sprechen“, unterstrich der Friedensbeauftragte seine pazifistische Position.

Eine Haltung, für die Schaede Verständnis zeigte: Der Protest gegen den Krieg sei berechtigt, auch wenn er ihn persönlich nicht teile. „Ist der persönliche Gewaltverzicht nicht zwielichtig, wenn andere unter Gewalt leiden“, fragte Schaede. Zugleich richtete der Regionalbischof den Blick in die Zukunft: „Wer wird in der Ukraine das Sagen haben, wenn der Krieg vorbei ist?“

Für den bekennenden Christen Christian Freuding ist das Gewaltphänomen ein Ausdruck der Sünde. Das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“ bedeute auch, nicht töten zu lassen. Dazu sei Militär nötig. Es gehe in der Ukraine um die Verteidigung des Individuums in seiner Gott-Ebenbildlichkeit.

„Als vernunftbegabte Menschen können wir eine Lösung finden“, skizzierte Freuding seine Hoffnung. Regionalbischof Schaede setzt dabei nicht zuletzt auf die Kraft der Sprache und forderte, einen „Liebesprotest anzuzetteln“ in dieser Welt. „Gott hofft mit uns, dass Frieden wird“, sagte Schaede.
(Text: Hartmut Merten)


Der Abend fand seinen Ausklang unter freiem Himmel – bei regional gebrautem Bier und frischem Laugengebäck, Begegnung und Musik vom Bühnenmobil der Ev. Jugend im Kirchenkreis und mit Musik von Come together unter der Leitung von Sebastian Brand.