Kirchenkreis Lüneburg, Fotos: Hueske
Fotos: C. Cordes (l.), B. Neß
Beten für den Frieden, Taube: wikicommons
Jahreslosung 2022, Foto: Lotz
Radiogottesdienst im Kirchenkreis Lüneburg, Fotos: Will Francis
Flagge zeigen: Jegliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Identität hat in unserer Kirche und bei Gott keinen Platz! Ev. Jugend und Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

Kirchenmitgliedszahlen 2021

Nachricht Lüneburg, 27. Juni 2022

Auch im Jahr 2021 haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sich sehr deutlich auf das kirchliche Leben ausgewirkt. Nach dem historischen Tiefstand bei Taufen, Trauungen und Konfirmationen im ersten Jahr der Pandemie feierten im letzten Jahr deutlich mehr Menschen Gottesdienste in besonderen Lebenssituationen. Allerdings sind es immer noch spürbar weniger Taufen und Trauungen als im Jahr 2019. Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Kirchenaustritte, die letztmalig vor 27 Jahren höher gewesen ist, heißt es in der Bekanntmachung der Landeskirche.

„Die Zahl der Kirchenaustritte ist bedrückend", so die Leitende Superintendentin Christine Schmid angesichts der heute veröffentlichten, detaillierteren Zahlen zum kirchlichen Leben. Sie sagt: "Das ist im Übrigen auch bei jedem einzelnen Kirchenaustritt so, über den wir informiert werden. Jedes Mal fragt man sich: Was ist schief gelaufen? Was können wir besser machen, um Menschen in der Kirche zu beheimaten?".
Christine Schmid weiter: "Ich bin fest davon überzeugt, dass es gut ist, und in unseren Tagen sogar immer wichtiger wird, den christlichen Glauben gemeinsam mit anderen zu leben. Das wird in gerade in letzter Zeit auch an vielen Stellen sehr schön deutlich: zum Beispiel dieses Wochenende beim Landesjugendcamp der Evangelischen Jugend. Diese Gemeinschaft gibt jungen Leuten Halt und eine hoffnungsvolle Perspektive. Oder die Tauffeste, wo Menschen aller Milieus zusammen feiern und deutlich wird: das Leben ist ein Geschenk, jeder Mensch ist wertvoll, wir sind füreinander da, unabhängig davon, was jemand leistet. Es ist ein Dilemma: Wir bekommen viel positive Resonanz und machen gute Sachen - aber das wirkt sich nicht aus auf den stetigen Rückgang der Mitgliedszahlen. Sicher ist bei uns noch Vieles zu verbessern. Vielleicht müssen wir aber auch noch mehr von gelungenen kirchlichen Momenten reden?“

Auch Regionalbischof Dr. Stephan Schaede findet in seinem Stadtement, die Energiezentren kirchlichen Lebens müssen nach außen noch sichtbarer gemacht werden:

Statement von Regionalbischof Dr. Stephan Schaede zur Veröffentlichung der landeskirchlichen Kirchenmitgliedschaftszahlen 2021:
"Die jüngsten Mitgliedszahlen stehen im harten Kontrast dazu, wie ich unsere Kirche an vielen Orten erlebe. Es läuft etwas grundsätzlich schief, wenn die Kirche vor allem mit Fällen von sexuellem Missbrauch Schlagzeilen macht. Kirche ist anders. Sommerliche Kinderkirchen füllen Gärten und Gemeindehäuser, Tauffeste mit über 40 Kindern und Erwachsenen, die sich taufen lassen wollen, szenische Oratorien, Jazz- und Poparrangements füllen die Räume. Wohin ich auch komme, begegnen mir
hoch engagierte Menschen. Kirchengemeinden gehen auf Straßen und Plätze, vernetzen sich mit Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr. In vielen Fällen sind sie es, die dafür Sorge tragen, dass Einrichtungen und Gruppen vor Ort überhaupt erst miteinander in lebendigen Austausch kommen. Ich sehe die vielen Mitarbeitenden in den diakonischen Einrichtungen und Kirchengemeinden, die sensibel für die Nöte der Menschen sind, sich zu Tag- und Nachtzeiten auf den Weg machen, um Menschen beizustehen. Ich staune über das vielfältige kulturelle Angebot - Kinder, Jugendliche
und Erwachsene, die in Chören und Instrumentalgruppen musizieren, und die damit gerade in Krisenzeiten Trost, Lebensfreude und Zuversicht verbreiten.
Unsere Kirchtürme sind zwar nicht zu übersehen. Aber wir müssen besser darin werden, die Energiezentren kirchlichen Lebens nach außen sichtbar werden zu lassen. Die Kirche bietet Orte der Geborgenheit, stiftet zum Nachdenken an. Worauf wir als Einzelne und gemeinsam hinauswollen, macht die entlastende Einsicht stark, dass Menschen nicht das Maß aller Dinge sein müssen. Kritisch und lauter müssen die mit der Mitmenschlichkeit Gottes verbundenen sozialpolitischen Forderungen und Folgen artikuliert werden.
Vor allem aber: Der Lebensfunke springt vor Ort über. Und Menschen, die die Angebote der Kirche aktuell nicht nutzen, müssen spüren, was sie an der Kirche haben. Das hat auch der Zukunftsprozess der Hannoverschen  Landeskirche begriffen, der in den nächsten Monaten seine Kraft entfalten soll: Er kommt nicht mit verordneten Reformen von oben daher. In den kirchlichen Landschaften der Regionen liegen die Faktoren und Foren, aus denen Wegweisendes entspringt.“
Dr. Stephan Schaede ist Regionalbischof für den Sprengel Lüneburg, einen der sechs Kirchenregionen der hannoverschen Landeskirche. Dazu gehören zehn Kirchenkreise im nordöstlichen Niedersachsen: Wolfsburg-Wittingen, Celle, Walsrode, Soltau, Hittfeld, Winsen (Luhe), Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Gifhorn – mit insgesamt rund 500.000 evangelisch-lutherischen Kirchenmitgliedern.

Zum Stichtag 31.12.2021 gehörten 2.368.643 Menschen zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Dies entspricht einem Rückgang von 58.043 Mitgliedern (2,4 %) gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2021 sind 42.400 Mitglieder verstorben (2020: 41.418), 32.022 Menschen traten aus der Landeskirche aus (2020: 26.507). Dem gegenüber stehen 15.744 Taufen (2020: 10.475) und 2.406 Aufnahmen (2020: 2.323). Die Zahl der kirchlichen Trauungen ist um 1.125 im Vergleich zu 2020 auf 2.047 angestiegen (2020: 922). 20.589 Jugendliche haben sich im Jahr 2021 konfirmieren lassen (2020: 16.981).

Kirchensteueraufteilung Ev.-luth. Landeskirche Hannovers