Ostern im Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg
Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg

Dem Hass widerstehen

Lüneburg, 02. März 2020

„Religion trennt. Religion verbindet. Religiöse Identität in pluralisierter Gesellschaft.“ Unter dem Thema stand jetzt ein interreligiöser Dialog unter anderem mit Impulsen des katholischen Bischofs Heiner Wilmer und der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor an der Leuphana Universität Lüneburg. Die Möglichkeit zum anschließenden Gespräch in Kleingruppen unterstrich den dialogischen Charakter der Veranstaltung mit rund 200 Teilnehmenden im Audimax.

Dass es mit dem gegenseitigen Verständnis nicht weit her ist, machte Lamya Kaddor an einem persönlichen Erlebnis deutlich: Als Muslimin sei sie um einen Zeitungsbeitrag zum Thema Jesus im Islam gebeten worden. Eine katholische Redakteurin habe sie daraufhin aufgefordert, den Artikel zu überarbeiten. Grund: Die Aussagen entsprächen nicht der christlichen Religion.

„Gott ist ein Menschheitsthema“, warb der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer für das interreligiöse Gespräch und darüber hinaus ausdrücklich auch mit Atheisten. Dabei gehe es ihm nicht um die Einebnung von Unterschieden. Doch eine religiöse Identität, die trenne, verbinde auch, zeigte sich Wilmer überzeugt. „Eine religiöse Haltung, die uns zum konkreten anderen Menschen führt, besitzt Potenzial, dem Hass, mit dem wir gegenwärtig konfrontiert sind, zu widerstehen.“

Der evangelische Regionalbischof Dieter Rathing richtete den Blick auf das monotheistische Gottesbild, das Juden, Christen und Muslime verbindet. „Sollte es von daher nicht möglich sein, von einem gemeinsamen Gott zu sprechen“, fragte Rathing.

Aus Sicht von Johann Bronstein trennen weder religiöse noch nationale Identitäten. „Die Menschen selbst sind dafür verantwortlich“, meinte der jüdische Leuphana-Hochschullehrer. Das könnte auch für eine Erfahrung der Studentin Emsale Iseini gelten. Die Muslimin hätte gern evangelische Theologie studiert, um das Fach anschließend zu unterrichten. Doch das sei nicht möglich, bedauerte Iseini.

Die Dialogveranstaltung war von Studierenden gemeinsam mit dem katholischen Hochschulseelsorger Michael Hasenauer und der Mentorin für Lehramtsstudierende im Fach Evangelische Theologie, Barbara Hanusa, vorbereitet worden. Ihr Fazit: „Die öffentliche Debatte über Religion und zwischen Religionen ist wichtiger denn je und gehört definitiv in den universitären Diskurs.“

Text: Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Lüneburg